9. Grosse Dresdner Motorradausfahrt 2001

Bikermassen trotz arktischer Temperaturen


Mal sehen, was die Sachsen machen. In Dresden sollte am 22. Apri 2001l die 9. Grosse Motorradausfahrt stattfinden. Da es auch fuer mich endlich mal wieder Zeit wurde, nach dem Winter eine Mehrtagestour zu fahren, beschloss ich also die Teilnahme. Zelt, Schlafsack und Zubehoer waren schnell zusammengesucht. Das Wetter versprach herrlich zu werden, hatten doch die Wetterfrösche die ganze Woche lang Temperaturen von 5 Grad und Regenwetter angesagt, und bei der Treffergenauigkeit der Vorhersagen war also strahlender Sonnenschein zu erwarten. Allerdings ... diesmal hatten die Jungs richtig geraten - es war ziemliches Mistwetter - kalt und zeitweise recht feucht. Machte mir nun allerdings auch nix mehr aus, ich wollte die Tour schon als Vorbereitung auf die Maitour testen, zog mir noch ne Hose unter und los gings.

Der Tracklog der Gesamttour im Waypoint+-Format zum Download


Der Tracklog des Lausitzrings im Waypoint+-Format zum Download
Die erste Umleitung auf der geplanten Strecke kam bereits in Zossen, die nächste in Baruth und dann in Lübbenau und vor Kamenz - ich muss die geplante Route also nochmal umschreiben. Trotzdem ging es recht zügig voran, das Wetter liess auch viele Autofahrer lieber hinter dem Ofen hocken bleiben. Anders die Biker. Auf der Umleitungsstrecke kurz vor Kamenz - eine schön wellige und kurvige Strasse, die offenbar von den einheimischen Bikern gern zum Kurvenschleifen genutzt wird - hatte es geknallt. Eine Motorradtruppe stand um einen Rettungsheli herum, der offenbar einen der Ihren ins Krankenhaus transportieren sollte. Der Unfallgrund blieb mir verschlossen, aber die nasse und kurvige Strasse liess den Grund vermuten.

Ohne weitere Probleme ging es weiter bis Dresden, und dank guter GPS-Vorbereitung wurde auch der Campingplatz schnell gefunden. Da es bereits gegen 4 Uhr war erwartete ich eigentlich eine erkleckliche Ansammlung von Zelten, da der Platz vom Veranstalter empfohlen war. Allerding waren nur ein paar wenige Wohnmobile anwesend, sodass mein neu erstandenes wasserdichtes Kuppelzelt das Einzige war, was auf der Wiese Platz finden musste. Es wurde eine kühle Nacht un der nächste Morgen sah auch nicht gut aus. Der Platzchef klagte auch über das Wetter, und dass einige seiner Bikerkumpels die Ausfahrt ausfallen lassen würden.
Auch ich nahm an, dass die angepeilten 10.000 Biker wohl nur schwer zusammenkommen würden. Mir schnurz, die Fahrt zum Lausitzring muss sein, und so machte ich mich auf die Pneus. Der Einfachheit halber hatte ich alle Klamotten der Nacht angelassen und nur noch Leder übergezogen in der Hoffnung, zusätzlich Wärme zu gewinnen - das ging zum Teil auf. Ab 10 Uhr war Treff auf dem Altmarkt im Zentrum von Dresden angesagt, gegen halb war ich da - und einer der Ersten.

Sollten sich meine pessimistischen Erwartungen erfüllen ? Alles Weicheier und Regentropfenausweicher ? Nein. Nach und nach füllte sich der Platz, und zwar total. Die offiziellen Zahlen werden die Veranstalter auf ihrer WEBseite sicher bald veröffentlichen, Aber es waren ne ganze Menge Motorräder (im weitesten Sinne) zusammengekommen.
Tolle Typen, von der ehemaligen Staatsmacht über die Wikinger bis zum "Rucksackbullen" auf MZ, und tolle Konstruktionen waren zu sehen. Schwer vorstellbar, dass die alle die Strecke zum Lausitzring mitfahren wollten. Wollten sie auch nicht - aber sie waren gekommen!

Auf der Bühne rollte inzwischen ein kleines Programm ab, die Mädels in ihren Dessous konnten einem bei den Temperaturen schon echt leid tun, aber sie waren auch keine Weicheierinnen und zogen voll durch.
Ab halb 2 ging dann die Ausfahrt los, der ganze Platz musste sich durch ein enges Spalier von Zuschauern quetschen, es kam zum Stau. Nach und nach ging es aber vorwärts und durch die halbe Stadt nordwärts. Über den Wilden Mann in Richtung Moritzburg, immer dicht geaäumt von vielen Zuschauern, es war aber auch eine sehr lange Motorradschlange. In Moritzburg dann der erst Unfall - einer war in ein dort stehendes Polizeimotorrad geknallt - Blechschaden.

Weiter über Landstrassen zog sich der Treck - die Strecke gut gesichert von der begleitenden Polizeistaffel. Autofahrer hatten hier und heute schlechte Karten. Kurz vor dem Ziel dann noch ein kleiner Unfall - 2 Bikes hatten sich wohl berührt und lagen im Gras, im Vorbeifahren sah es aber auch eher nach Materialschaden aus. Die Ankunft im Fahrerlager des Lausitzrings brauchte auch wieder seine Zeit, während der Tross noch einfuhr hatten die Ersten bereits ihre warme Suppe gelöffelt.
Kaffee und Suppenküchen hatten Hochkonjunktur, die Bierbuden waren nur mässig besucht und die Softeisbuden (jaja!) dürften wohl auf ihren Stromkosten sitzen geblieben sein.

Von der Haupttribüne aus gut zu sehen wurde dann eine gute Show geboten. Qualmende Reifen, stiebende Funken, ein Rennen zwischen Motorrad und Rennwagen, BUELL-Stuntshow und Harley- und Goldwing-Korso - es gab was fürs Auge.
Zum Abschluss konnte dann noch der gesamte Ring abgefahren werden. Während in den Seilkurven des grossen Ovals unten die Motorräder langfuhren - hier gabs auch noch mal eine kleine Karambolage - donnerten über unseren Köpfen die Trikes die ober Linie der Steilkurve entlang. Ohne Halt gings dann durch den Tunnel wieder zurück, die Dresdner fuhren wieder nach Süden, und ich knatterte über die B 96 heimwärts.

Reichlich gekühlt kam ich gerade richtig zum Start des 20.15Uhr - Films an. Unter der warmen Decke und einem Gläschen Heidelbeerwein stellte sich dann langsam die normale Körpertemperatur wieder ein. Es war kein Bikertreffen im "gewöhnlichen" Sinne, aber gut organisiert, gute Tour, gute Show. Prädikat "durchaus empfehlenswert.


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