Kroatien mit dem Motorrad

vom 26. Juli bis 3. August 2002


Es begann mit einem schlechten Vorzeichen: beim letzten Tanken vor der Abfahrt faellt mir doch glatt die Muehle um, weil ich einfach absitzen muss, ohne den Seitenstaender auszuklappen. Doof wa? Und dabei bricht logischerweise auch der Kupplungshebel ab, klar! Also im Eilschritt zu POLO Potsdam, und siehe da, die Jungs haben wirklich genau diesen Hebel da, die Abreise ist gerettet. Schnell montiert den Hebel, und das Mopped sieht aus wie neu. Puhhhhh.... Andererseits - ein wenig Glueck hatte ich ja auch: Das Ferienhaus in der Tschechei erwies sich als wahrer Missgriff, sodass der motorradfreie Familienurlaub schon 2 Tage vorher abgebrochen wurde, was mich natuerlich wiederum in die guenstige Lage versetzte, einen Tag vorher als geplant loszufahren. So ein Pech aber auch ....


1. Tag - Freitag:

Track Um 9.30 Uhr war das Buendel geschnuert, und der Gasgriff konnte gedreht werden. Der Himmel war grau, aber es war trocken. Auch waehrend der ganzen Fahrt gab es nur am Anfang atwas Regen, genug um die Regenstulpen ueber die Stiefel zu ziehen, zu wenig fuer die Regenkombi. Das Ziel fuer den ersten Tag lag irgendwo im Alpenvorland, hinter Muenchen. Um Kilometer zu machen war Autobahn angesagt. Die Reisegeschwindigkeit hatte ich so um die 130 festgelegt, bei hoeherer Geschwindigkeit wird das Verhaeltnis von gewonnener Zeit und dem Verbrauch fossiler Brennstoffe erfahrungsgemaess zu unguenstig, was wiederum dank der erfolgreichen Durchpeitschung der Oekosteuer zu erhoehter Belastung der Reisekasse fuehren wuerde. Ueber eine Autobahnfahrt, noch dazu ohne Mautstellen, gibts nicht viel zu berichten, bis ich den Raum Muenchen erreicht hatte. In meinere Richtung war alles frei, aber in der Gegenrichtung staute es doch gewaltig. Dass Muenchen nicht auf meiner Ruecktour liegen wuerde war ab hier klar. Was ich frueher mit dem Wohnmobil immer vermieden hatte, den Weg ueber den Brenner, mit dem Mopped sollte es nun endlich mal klappen. Morgen. Heute gings nur bis Hall, kurz vor Innsbruck. 720 km fuer den ersten Tag sollten auch ersmal reichen. In Hall, fast in der Stadt, gibts nen Campingplatz, wo ich fuer 10 Euro die Nacht verbringen konnte. Rechts und links der Autobahn waren hier schon recht nette Berge zu sehen, zumindest fuer einen Flachlaender. Die auf dem Platz befindliche Kneipe hatte natuerlich geschlossen, nach Aussage des Platzbetreibers "wegen Reichtum des Wirts". Gleich nebenan gabs in der Minigolfanlage aber eine kleine Gaststube, wo ich mit ein paar Einheimischen rasch ins politisieren kam. Dabei gab ein Bier das Naechste, uns schnell merkte ich am naechsten Morgen, dass es eins oder zwei zuviel gewesen waren. Politik ist halt ein hartes Geschaeft ....

2. Tag - Samstag:


Ein leichtes Summen im Kopf weckte mich bereits gegen 7 Uhr, doch die frische Luft machte mich schnell wach. Um 8.15 Uhr sass ich bereits im Sattel, das Fruehstueck war wegen Appetitarmut etwas kuerzer geraten. Auch heute wieder truebes Wetter, die Gipfel der Berge ringsum waren nicht zu sehen, es war diesig. Der Brennerpass war von hier aus nicht mehr weit, trotz reichlich Verkehr ging es zuegig voran. Fuer 7,50 Euro gings ueber den Pass. Je tiefer sich die Strasse in Italien ins Tal schlaengelte, desto besser wurde auch das Wetter. Beim Schlangestehen an der ersten italienischen Mautstelle, die fuer 2,50 Euro durchfahren werden konnte, war es schon fast warm. Bei Brixten verliess ich die Autobahn dann auch, um auf der Staatsstrasse weiter Richtung Osten zu fahren. Die Strasse war voll belegt, ein ueberholen kaum moeglich, zum Teil gings nur im Schneckentempo vorwaerts. Fuer die ca. 250 km bis zur Autobahn bei Udine brauchte ich immerhin fast 5 Stunden. Trotzdem, der Anti-Autobahn-Entschluss war voll in Ordnung, herrliche Landschaften, die Felsen der Dolomiten - traumhaft. Eigentlich hatte ich mir ja mal vorgenommen, die Dolomiten zu meiden, weil eben Hinz und Kunz da entlangbuegeln, aber der Weg nach Kroatien geht nun mal fast mittendurch. Und es war eine gute Strecke.
Nachdem die Alpen hinter mir lagen wurde der Himmel endgueltig blau und die Temperaturen stiegen. Da kam mir die Autobahn als Abkuehlung gerade recht, bis Trieste folgte ich ihr. Von hier aus dann wieder ueber Fernstrassen bis Rijeka, wo ich endlich auch die Adria sah. Die Grenzen nach Slowenien und Kroatien waren schnell passiert, es gab keine grossen Schlangen. In Rijeka verpasste ich dann leider den Abzweig zur Kuestenstrasse und landete auf der Autobahn, der ich natuerlich bis zur naechsten Anschlusstelle folgen musste. Eine gute Gelegenheit, das Landesinnere einmal kurz zu streifen, ueber Landstrassen fuhr ich nach Bakar, wo ich jetzt die Kuestenstrasse erwischte. 30 km suedlich von Rijeka, bei Senj, blieb ich dann auf einem Campingplatz in einer kleinen Bucht haengen. 10 Meter ueber meinem Kopf fuehrte die Kuestenstrasse am Berg entlang, aber meine Nachfrage bei den Zeltnachbarn ergab, dass in der letzten Zeit hier kein Auto aus der Kurve getragen wurde. Das gab mir Mut. Hier hatte die Kneipe auf dem Platz geoeffnet, und die gemischte Grillplatte mit einem Bierlein dazu schmeckten wunderbar. Bis hierher waren es jetzt 1220 km, ein nettes Stueckchen Weg hatte ich in den 2 Tagen schon geschafft. Eine Menge Biker hatte ich unterwegs ohne Helm gesehen, muss doch mal nachfragen, wie es hier so mit der Helmpflicht aussieht.....

3. Tag - Sonntag:


Die ganze Nacht hindurch blies ein sehr starker Wind, gut dass ich die Abspannleinen des Zeltes festgezurrt hatte, auch wenn die Haeringe nur wenige Zentimeter in den steinigen Boden getrieben werden konnten. Trotzdem blieb der erwartete Regen aus, und auch die Temperaturen waren angenehm hoch. Am Morgen beschloss ich also, die Rundfahrt ueber die Insel KrK zu starten. Durch den sehr boeigen Wind war mir an manchen Stellen der Uferstrasse doch recht mulmig, der Abgrund war stellenweise nur wenige Zentimeter entfernt. 10 km noerdlich meines Camps fuehrte ein riesiger Viadukt uebers Meer, privat bewirtschaftet und deshalb nur fuer 15 Kn je Richtung zu befahren.. Campen auf Krk scheidet also schon deshalb aus, weil man allein vom Brueckenzoll ja schon arm wird.... Auf der Insel aber auch wieder eine herrliche Landschaft fuer den, der Freude an der rauhen und herben Natur hat. Die meisten Strassen sind gut ausgebaut und schlaengeln sich in vielen Kurven durch Berg und Tal. Allerdings gibt es auch sehr viele Wohnmobile, die das Vorankommen auf den engen Strassen nicht eben leichter machen. An der Suedspitze von Krk sollte es eigentlich per Faehre nach Senji aufs Festland zurueckgehen - leider gabs die auf der Karte eingezeichnete Faehrverbindung nicht. Nur zur Nachbarinsel Rab existierte eine Passage, fuer die rund 15 km Seefahrt wurden ca. 60 kn fuers Motorrad und 30 kn pro Person verlangt.
Es war noch nicht sehr spaet, also fuehrte mich der Rueckweg an der Ostkueste der Insel nordwaerts, immer in Sichtweite des Festlandes. Vorbei an einer Saline, einer Salzgewinnungsanlage, wo sich bei dem sonnigen Wetter viele Leute im Schlamm waelzten, wohl in der Hoffnung auf die heilende Wirkung der salzhaltigen Pampe. Das Mittagessen, wenn auch etwas verspaetet, verbrachte ich hier in einer kleinen Strandkneipe mit Blick auf viele dunkle modderige Gestalten. Zurueck ueber den langen, teuren Viadukt, die windige gefaehrliche Uferstrasse entlang und auf dem Zeltplatz eintreffen waren in windeseile getan. Es war immer waermer und sonniger geworden, und so stuerzte ich mich das erste mal in die Fluten, mit der Sicherheit, dass das Wasser im Mittelmeer immer schoen warm ist. Das war es hier nicht !! Der Atem blieb mir fast weg, trotzdem liess ich mir natuerlich nix anmerken, schliesslich kann man nicht in Lederklamotten ueber den Platz fahren und dann vorm Wasser zittern. Scheiss Heldentum ....
Der Platz hatte sich heute recht gut gefuellt, auch eine Menge Biker aus D, I, NL und CH waren eingetroffen. 1429 km zeigte der Reise-Kilometerzaehler heute an, nicht so wahnsinnig viele Kilometer heute, aber schoene.

4. Tag - Montag:

Die Sonne trieb mich am Morgen recht zeitig aus dem Zelt. Gestern abend in der Strandkneipe hatte ich noch am Nachbartisch ein Gespraech gehoert, dass es hier vor der Kueste kalte Quellen gibt - kein Wunder also, dass das Wasser so kuehl ist. Ausserdem hatten sich gestern Abend noch ein paar italienische Biker mit ihren Zelten neben mir aufgebaut. Im Smalltalk erfuhr ich, dass sie gestern an die Plitvicer Seen wollten, ihre Tour aber wegen der intensiver Regenfaelle abgebrochen hatten. Eigentlich waren die Seen heute mein Ziel gewesen, aber nach dieser Warnung sollte ich vielleicht doch lieber suedwaerts zum Nationalpark Paklenica fahren. Am Himmel hatten sich inzwischen auch schon einige Wolken zusammengefunden, was nicht unbedingt auf Badewetter hindeutete. Der Wind hatte sich erfreulicherweise gelegt.
Beim Aufbruch schnell den Berg hinauf, und oben angekommen sah das Wetter genau so aus, als sollte ich doch nach den Plitwitzer Seen fahren: der Sueden war mit dicken schwarzen Wolken verhangen, und im Osten zeigten sich doch hin und wieder ein paar sonnige Stellen. Der erste Gedanke ist immer der Beste, also ab nach osten zu den Plitwitzer Seen.
Die Strasse fuehrte am Anfang immer in einem Tal entlang, gesaeumt allerdings schon von einigen Berghaengen. Herrliche Kurven, diesmal auch kein Abhang rechts oder links, und von Verkehr war auf der Stasse auch nur wenig zu spueren. Die paar Laster waren schnell passiert. Nach 5 km gings dann richtig in die Berge - Serpentinen machten die helle Freude. Die Strassen waren gut und trocken, sodass es richtig Spass machte. Kaum oben, gings auch schon fast wieder nach unten. Man merkt hier schon, dass das Touristengebiet hinter einem liegt. Auch die Spuren des Krieges waren hier viel deutlicher zu erkennen: Neben zerschossenen Haeusern, deren Aufbau offenbar keinen Sinn mehr machte, standen neue Bauten, meist allerdings unverputzt.
Das letzte Stueck des Weges fuehrte durch eine frische Heidelandschaft, bis meine kleine Nebenstrasse wieder in eine der Hauptstrecken muendete. Autokolonnen kuendeten von dem nahen Naturpark der Plitwitzer Seen. Gegen 10 Uhr war der Parkplatz schon recht voll, auch Motorraeder waren hier schon zahlreich versammelt. Trotz der happigen 90 Kn Eintritt war ein reger Touristenverkehr zu bemerken, auch viele Einheimische scheuten sich nicht, den hohen Preis zu zahlen. Darin war allerdings auch schon die Schiffspassage ueber einen der Hauptseen und die Busrueckfahrt enthalten - von dem wahnsinnig blauen Wasser mit wirklich vielen Fischen darin gar nicht zu reden. Die Sonne war schon recht hoch gestiegen und machte mir in meiner Lederkluft das Leben nicht eben leichter. Haette ich gewusst, was mich am naechsten Tag erwartete waere mir die Sache allerdings doch wie ein Spaziergang vorgekommen. So schulterte ich also meine Jacke und zog los.
Bis zum Schiffsanleger waren es gute eineinhalb Kilometer Fussweg, gluecklicherweise bergab. Unten angekommen gings per Boot ueber den See - herrlich klares und blaues Wasser. Am Ufer urwuechsige Natur, bemooeste und wasserueberspuelte Steinkaskaden, einfach herrlich. Am anderen Ufer ging dann der Fussweg los, immer am Ufer entlang auf zum Teil in den Felsen gehauenen Wegen oder Knueppeldaemmen. Es waren an diesem herrlichen Tag viele Leute unterwegs, die mir auf den engen Pfaden zum Teil auch entgegenkamen. Es war ein Schauspiel, gekroent durch den 30 m-Wasserfall am Ende der Seenkette. Nach einige Minuten des Verweilens begab ich mich dann auf den Rueckweg, der allerdings durch den Bus doch angenehm verkuerzt wurde. Der Schweiss stand mir jedenfalls schon bis zu den Knoecheln.
Auf dem Parkplatz beschloss ich dann, nicht den direkten Weg zurueckzufahren, sondern einen grossen Bogen nordwestwaerts zu schlagen, um noch etwas vom Landesinneren zu sehen. Die Karte zeigte mir einige Wege, die mir fahrenswert erschienen. Der erste Abzweig hatte es aber schon in sich. Ich wusste genau wo ich war, trotzdem sah die abbiegende Strasse eher nach einer Hofeinfahrt aus. Ich bog trotzdem ab und hoffte die naechsten Kilometer, dass der auf der Karte eingezeichnete Ort auch wirklich erschien. Tat er auch. Die Strasse, auf der Karte immerhin rot eingezeichnet, erwies sich als Feldweg. Eine Wegweiser wies mich an der naechsten Kreuzung an, nach links abzubiegen, um durch die Berge wieder ans Meer zu finden.
Anfangs war die Strasse auch noch halbwegs ok, mit jedem Kilometer wurde sie aber mieser - bis sie schliesslich als Sackgasse auf einem Bahnhof in einer Geisterstadt endete. Menschen hatte ich schon lange nicht mehr gesehen. Das Dorf war verlassen, selbst einige offenbar erst in letzter Zeit begonnene Bauten fingen an zu verfallen. Ich pruefte sicherheitshalber den lockeren sitz meines Kurzschwertes, welches ich bei solchen Touren immer bei mir habe, und versuchte noch ein paar Kilometer weiter zu kommen. Der Weg war jetzt allerdings nur noch grob geschottert, sodass ich nach wenigen hundert Metern umkehrte. Hier einen Sturz oder eine Reifenpanne - wahrscheinlich wuerde ich in der Einoede hoffnungslos verhungern. Im Reisefuehrer las ich dann spaeter, das es hier in der Gegend durchaus auch noch Baeren und Woelfe gibt ......
Zurueck auf Asphalt machte ich keine Experimente mehr und hielt mich sicherheitshalber immer auf der Hauptstrasse.
Meinen Abstecher in die Wildnis hatten einge sehr dunkle Wolken genutzt, ihre Schleusen zu oeffnen und sich zu entleeren, jedenfalls zog ich meine Regenstulpen ueber, um nicht bis zu den Knien nass zu werden. An der Strasse zogen sich gewaltige Rinnsale entlang, entsprechend langsam und Spritsparend gestaltete sich die Rueckfahrt. Den Abend beschloss ich auch heute in der platzeigenen Kneipe bei einem Teller Gegrilltem und einem Bierlein. Im Zelt fing es dann auch langsam an zu regnen - hoffentlich nur bis morgen frueh.....


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