Kroatien mit dem Motorrad - Seite 2
vom 26. Juli bis 3. August 2002
5. Tag - Dienstag
Heute sollte es nun doch in Richtung Sueden gehen, 
zum Nationalpark Paklenica, zwei tiefe Felsschluchten im Gebirge. Der Regen hatte wirklich aufgehoert,
herrlicher Sonnenschein am Himmel.
Vorbereitende Lektuere des Reisefuehrers hatte mich schon vorgewarnt:
"Schlechte Schotterpisten fuehren zu den beiden Eingangstaelern ..... " - na herrlich, Schotterpisten hatt ich gestern schon. Naja, ich bin ja flexibel, zur Not
fahr ich eben weiter nach Zadar, auch ne schoene Gegend.
Auf der ca 40 km langen Anfahrt hatte ich doch einige schoene Ausblicke verpasst, lieber folgte mein Blick der eng am Abgrund entlang verlaufenden Kuestenstrasse
als den Schoenheiten der Landschaft. Der salopp als Ausritt auf die gruene Wiese bezeichnete Fahrfehler konnte hier doch schnell in Felsschlucht oder Salzwasser enden.
Passierte jedoch nicht, das Ziel war auch gut ausgeschildert, und von den Schotterpisten war auch nix mehr zu sehen, eine gut asphaltierte, wenn auch enge Strasse
fuehrte zum Eingang. 30 Kn waren zu berappen, dann war ich schon auf dem Fussweg in die Berge. Die Waende steigen wirklich beeindruckend hoch, und gerade am
Eingang der Schlucht uebten Dutzende Bergsteiger ihr Handwerk, immer in 10 Metern Abstand voneinander. 
Waehrend der Weg am Anfang noch recht eben verlief wurde er nach kurzer Zeit enger, steiler und steiniger. Vom ebenen Pfad wurde er zum engen Felsenstieg, grobe
Steine, die man zum Teil im Sprung ueberwinden musste herrschten jetzt vor. Wie zu erwarten war kam ich nach kurzer Zeit ganz schoen ins Schwitzen, auch wenn
ich mir die Lederjacke schon lange ueber die Schulter geworfen hatte. Vereinzelt kamen mir einsame Wanderer entgegen, die auch nicht mehr ganz frisch aussahen.
Rechts und links bogen immer mal wieder Pfade zu irgendwelchen Kletterrouten ab, ueberall in den Felsen hingen in unterschiedlichen Hoehen die Bergbezwinger. Ich
blieb auf meinem Pfad. Nach etwa 2 Kilometern der Kletterei tauchte direkt neben dem Weg eine kleine Quelle auf, und in verschiedenen Sprachen war zu lesen, dass
es sich hier um Trinkwasser handelte. Ich liess mich nicht lange noetigen und nahm einen kraeftigen Schluck. Ahhhhhh...... Auch eine kleine Pause goennte ich mir.
Waehrend ich so auf den Steinen sass kamen doch einige Wanderer von unten nach. Alle stuerzten sich auf das Wasser, es entstand eine richtige kleine Bananenschlange.
Nach 20 Minuten gings dann aber weiter, der Weg wurde jetzt etwas besser und auch nicht mehr ganz so steil. Ab und zu bemerkte ich frische Pferdeaepfel zwischen
den Steinen. Wat tun die hier - die Pferde? Schauspielern? In diesen Felsschluchten wurden naemlich schon einige Western gedreht.Wenn man bedenkt, wie der alte
Winnetou seinen ganzen Filmkram hier hochgebuckelt hat - doll !
Kurz keimte in mir die Hoffnung auf, dass es sich vielleicht um einen Getraenketransport fuer irgend eine Berghuette handeln koennte. Vielleicht sogar ein Bie.... - wer
weiss. Nach weiteren 2 Kilometern war die Hoffnung dahin: die Pferde kamen mir entgegen, voll bepackt mit Saecken - Muellsammler. Ja der faellt hier sicher auch an.
Allerdings .... vielleicht .... auf dem Hinweg? Waer doch sonst Verschwendung, sone Leerfahrt. Hinweisschilder auf irgendwas waren mir schon aufgefallen, bis
dahin warens noch 3 km. Obwohl ich schon viel weiter unten eigentlich umkehren wollte trieb es mich doch weiter. Der Weg verlief jetzt fast flach neben einem Bach,
auch eine zweite Trinkwasserquelle tauchte auf. Und dann kams doch: das Forsthaus, eine kleine Kneipe mit Grill und kuehlen Getraenken. Coooool. Die 12Kn fuer die
Bierbuechs waren weiss Gott gerechtfertigt, wer den ganzen Kram hier heraufbuckelt weiss was er getan hat, auch mit Pferden. Und kuehl war das Bierlein auch noch,
ich machte eine ausgiebige Pause.
Weiter wollten ich dann aber auch nicht mehr, obwohl die Schlucht noch laenger war. Also machte ich mich auf den Rueckweg, wirkliche frohen Herzens, da es ja
neben der Beschwingtheit durch das kuehle Getraenk auch noch berab ging

Es war noch hellichter Tag, als ich im Camp zurueck war. Ein Bad nach des Tages Muehen war das Mindeste, was ich mir verdient hatte. Danach in die Platzkneipe
und etwas Essen und Trinken - logisch. Das mit dem Trinken klappte auch wunderbar, nur das Essen hatte der Hauskellner total verschwitzt, wohl auch deshalb, weil
er offensichtlich schon einige Glaeser zuviel intus hatte, um noch klar denken zu koennen. Tja, so an der Quelle .... Also setzte ich mich nochmals auf den Bock,
um in der Naehe etwas zu suchen.
An kleinen Gasthaeusern besteht ja nun wirklich kein Mangel, und bald sass ich unter Baeumen in einem Garten und konnte mir mal wieder eine Grillplatte schmecken
lassen. Lange blieb ich allerdings nicht, am naechsten Tag sollte ja Abreise sein, ein Abstecher nach Istrien war noch geplant. Abends noch schnell die Sachen
zusammengesucht, doch noch ein kleiner Besuch beim inzwischen wieder etwas nuechterneren Kellner, und dann gings schlafen.
6. Tag, Mittwoch
Frueh am morgen gings los, Zelt abbauen und alles verstauen, 205 Kn fuer 4 Naechte bezahlt - dann gings ab. Es war nur ein Katzensprung bis auf die Halbinsel,
130 km. Bis Rijeka ging auch alles ganz gut, es gab ja nur eine Strasse in Richtung Norden. In Rijeka dann aber wie auf der Hinfahrt ein heilloses Durcheinander,
meine Hauptrichtung war Pula, aber die Wegweiser dahin zeigten in 3 verschiedene Richtungen. Naja, irgendwie kam ich doch durch. Das GPS war mir hier wieder
eine gute Hilfe, denn die gepunktete Linie der Hinfahrt fuehrte mich wieder auf die Hauptstrecke.
Inzwischen hatten sich ueber den Gebirgszuegen im Westen einige dicke Wolken zusammengezogen, und das waren keine Schoenwetterwolken. Je naeher ich den
Bergen kam desto dunkler und schwaerzer wurden sie. Ich sah mich schon voellig durchnaesst durch das Unwetter fahren, da zeigte sich ein Loch im Berg.
Fuer 25 Kn durfte ich rein, und als der Tunnel nach ca. 6 km wieder ans Tageslich fuehrte empfing mich strahlender Sonnenschein. Die dicken Wolken konnte ich jetzt
hinter mir sehen - na und, was interessiert mich fremdes Leid ??
Wesentliche Steigungen standen nicht mehr an, so richtig gebirgig ist Istrien nur auf der Ostseite. Die Beschilderung war gut, ohne Karte konnte ich mein
Ziel - Porec - finden. Nach 2,5 Stunden gemuetlicher Fahrt hatte ich meinen Platz unter Baeumen gefunden und um 12 sass ich beim Willkommensbier auf dem
Campingplatz. Das erste mal in dieser Woche, dass ich mein Mittagessen auch wirklich mittags einnahm ( Ich hab natuerlich auch was gegessen).
Hier auf dem Platz muss man sich eigentlich nicht foertbewegen, von der Verkaufsstelle ueber Tennis bis zu mehreren Kneipen ist alles vorhanden.
Und natuerlich das Meer.
Da gings denn auch gleich rein. Raus aus Kneipe und Klamotten, rauf aufs Mopped, denn der Platz ist gross, und an den Strand. Wie ueberall in Kroatien natuerlich
auch hier kein Sandstrand, aber immerhin grober Kies. Und warmes Wasser. Der Platz war recht voll - Hochsaison. Aber ein Plaetzchen findet sich immer
fuer ein schmales Handtuch, und so planschte ich einige Stunden hier herum. Auf dem Rueckweg sah ich von hinten zwei irgendwie bekannte Silhouetten, und richtig,
die Wohnmobilnachbarn von vor 3 Jahren waren auch wieder hier, hatten ihr Boot auch schon im Hafen liegen und genossen die Sonne. Sie kommen hier seit 20 Jahren
schon her, haben in eigenes Feld fuer den Gemueseanbau und ihre Sommerheimat hier unten. Nach einigen freundlichen Worten - woher und wohin - gings dann doch
erstmal ins Zelt zu einem kleinen Schlaefchen. Danach zog mich auch nichts mehr sonderlich aufs Mopped, und so pilgerte ich wieder ins "Sport", meine
Platzstammkneipe, und beschloss den Abend bei einem gemuetlichen Abendessen. Nebenbei schrieb ich wie jeden Abend die Tageserlebnisse auf, so verging
die Zeit recht flott. Gegen 9 Uhr abends baute dann auch noch die Liveband auf, eine Zweimannkapelle, die Schlager aus aller Welt traellerte. Naja, mal was anderes.
Schade, schon wieder ist fast der letzte Tag angebrochen, morgen gehts noch eine Runde ueber Istrien, Pula und eine Rundreise ueber schmalere Wege abseits der
Touristenpfade, und dann gehts auch schon wieder heimwaerts.
7.Tag, Donnerstag
In der Nacht regnete es, und am Morgen war der Himmel auch noch nicht wieder klar. Grund genug, etwas laenger als sonst zu schlafen, erst 9.30 Uhr sass ich auf dem
Bock. Die Strassen waren groesstenteils bereits abgetrocknet, trotzdem hiess es besonders in bewaldeten Kurven Vorsicht zu zeigen.
Ganz kurz war die Tour nicht, am Ende des Tages standen bereits 2315 km zu Buche, heute waren es 240 km. Und heute gings mal wirklich "ueber Land".
Bis Pula ging es noch auf der Staatsstrasse entlang, ein Stau vor der Stadtgrenze hielt mich aber vom Eindringen ins Zentrum ab. Dafuer konnte ich aber superguenstig
tanken. Als ich zahlen wollte und die Tanksaeulennummer ansagte, sah mich der Tankwart fragend an. Ich also nochmal raus - Nummer der Saeule stimmte. Er wollts
nicht glauben, kommt mit mir raus und zeigt fragend auf die Literanzeige. Cool, Liter und Preis auf Null. Wir haben uns dann auf 4 Euro geinigt, nicht uebel eigentlich
fuer einen vollen Tank.
Dann gings an der Ostkueste nordwaerts und ueber richtig enge Bergstrassen, wobei fast alle noch einen Asphaltaehnlichen Belag hatten, von Schotterpisten bin ich
erstmal geheilt. Auch meine Aussage, dass Istrien nur im Osten gebirgig ist revidiere ich hiermit etwas. Es gab richtig schoene Berge, im Osten sowieso, aber auch
auf dem Weg zurueck durchs Landesinnere an die Westkueste war es wirklich nicht eben. Viele Doerfer liegen malerisch auf oder an den Bergen, meist von einer Kirche
mit dem charakteristischen spitzen Hut gekroent. Und manche Abfahrt war eine wahre Bewaehrungsprobe fuer die Bremsen, es ging manchmal RICHTIG runter.
Der Regen der letzten Nacht hatte wieder viel Split auf die Strassen gespuelt,als mein Vorderrad den ersten unkontrollierten Ausflug machte wurde ich vorsichtiger.
Trotzdem, so einsam wie auf dem Festland ist man in Istrien wohl nie, auf den engsten Bergstrassen muss man hinter jeder Kurve einen PKW oder Wohnmobil mit
gelbem Nummernschild und weissem NL auf blauem Grund vermuten ......
Gegen 5 gabs dann in einem der an allen Ecken stehenden Grillrestaurants das Mittagessen und gegen 6 war ich wieder im Camp.
Hier erledigte ich auch gleich die Bezahlung, immerhin 226 Kn fuer 2 Naechte, ein Motorrad mit kleinem Zelt zahlt hier den gleichen Preis wie ein PKW mit Wohnanhaenger.
Schade, kein Grund zur Empfehlung, 15 Euro pro Nacht sind nicht eben wenig fuer son kleines Mopped.
Dann musste ich auch noch eine Tanke erwischen, die nur Bares akzeptierte, inzwischen eigentlich ein Novum ueberall. Es lohnt sich also, bei knappen Barbestaenden vor
dem Tanken auf Akzeptanz von Kreditkarten nachzufragen, sonst koennte man in der Klemme sitzen.
Die Klamotten aus und ins Wasser rein waren eins, denn der Himmel war wieder strahlend blau geworden. So verplanschte ich noch einige Zeit am Strand und trollte
mich dann in die Kneipe.
Der Tag war anstrengend, die Band spielte auch nicht gerade flotte Weisen, so langsam wirds Zeit, sich fuer den naechsten Tag, den Abreisetag, zu ruesten.
Ich werde wohl die E55 hochduesen, also ab Villach ueber Salzburg, Tschechien, Prag und Dresden nach Berlin - wenn nichts dazwischenkommt. Samstag muss ich
gegen 18 Uhr in Berlin sein - Bikerparty. Gar nicht erst nach Hause, gleich in voller Montur zur Fete. Dann gehts irgendwann gegen Mitternacht nach Hause - so ist der
Plan.....
8./9. Tag - Freitag / Samstag
Was interessiert mich mein Geschwaetz von gestern - heut ist Plan B aktuell.
Die Sonne weckte mich heute schon am Morgen, also Kram zusammengepackt und ab. Schon beim Einpacken kam ich ins schwitzen - mit fast nix an.
Die Lederklamotten warf ich mir wirklich auf den letzten Pfiff ueber und dann aber auch nix wie weg. Die Strassen waren noch halbwegs leer, trotzdem
kuendigte sich der Wochenendverkehr bereits an.
Bis Tschechien gings nach dem vorgesehenen Plan immer die E 55 entlang. Kurz hinter der tschechischen Grenze entschloss ich mich dann aber doch,
von der Europastrasse abzubiegen und in Richtung Lipnostausee zu fahren. Es war schon recht spaet geworden, und ich hatte eigentlich wirklich keine Lust mehr,
das Zelt aufzubauen. Eine Pension, fast direkt neben unseren Campingplatz vom Mai, wurde fuer diese Nacht mein Zuhause. 15 Euro incl. Fruehstueck - ein guter Preis.
Gemuetlich konnte ich mich im Garten niederlassen und mein Abendbier geniessen. Die Wirtsleute brachten den Vorgarten in Ordnung - Unkraut jaeten.
Als ein recht grosser Haufen zusammengejaetet war bemerkte ich ein gewisse Ratlosigkeit, konnte aus Gestik und Mimik auch klar erkennen, dass das Unkraut
eigentlich in den verwilderten Nachbargarten entsorgt werden sollte. Offensichtlich sah man mich aber als Bremse an. Ich liess die Maedels (Tochter, Mutter, Grossmutter)
nicht lange zappeln und machte deutlich, dass ich mit ihrer Idee durchaus konform gehen wuerde, indem ich einfach einen Arm voll der Krautes nahm und ueber den Zaun
befoerderte. Begeisterung machte sich breit, und gemeinsam war der Haufen schnell entsorgt. Dann gabs noch ne nette Runde mit Verstaendigung per Hand und Fuss,
noch ein Extrabier war auch dabei, und dann gings ins Nest. Wurde auch hoechste Eisenbahn, irgendwie muss das Budweiser doch bissl mehr Alkohol haben als draufsteht.
... Es war aber auch gemuetlich .
Am naechsten Morgen, der Wirt hatte noch eine halbe Stunde laenger herausgeschunden, gings dann nun wirklich auf die letzte Etappe, nicht wie eigentlich geplant ueber
Prag, sondern die "altbekannte" Strecke uber Pilsen und Most nach Teplice. Dort der Sprung ueber den Kamm des Erzgebirges ueber Zinnwald, und dann bei Dresden auf die
Autobahn. Kurz hinter Klettwitz hielt mich dann aber auch nichts mehr auf der langweiligen Betonpiste, ausserdem hatte ich noch massig Zeit bis zu meiner Verabredung
mit den Jungs vom Club. Erst gegen 18 Uhr hatten wir uns verabredet, um gemeinsam noch ein paar Stunden zum Bikertreffen in Berlin zu fahren. Also tourte ich noch
quer ueber Finsterwalde und Luckau bis rueber nach Treuenbrietzen, wo ich mir wie immer auf dem Marktplatz noch ein Eis goennte. Dann war die Zeit doch schon soweit
fortgeschritten, dass ich mich auf den Weg nordwaerts machen konnte. Puenktlich traf ich auch am verabredeten Platz zur vorgegebenen Zeit ein, nach immerhin rund
3500 km in dieser Woche. Lange hielt ich mich allerdings auch nicht mehr auf, ein vernuenftiges Bett und eine warme Dusche lockten doch zu sehr.
Kroatien hatte gehalten was ich mir versprochen hatte, war aber eindeutig zum recht teuren Pflaster geworden, also sicher nicht geeignet, um die Preussenbiker-Tour
im naechsten Jahr hierhin zu fuehren, denn ein Urlaub so zwischendurch soll einfach etwas guenstiger sein. Allerdings - sonst jederzeit gern wieder .....
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