Urlaubstour Allein

durch Polen und Tschechien






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Eigentlich wars ja ganz anders geplant: 2 Wochen Campingurlaub mit Frau und Enkel, dann eine Woche Bikerurlaub zur Erholung - vom Enkel ... allein. Leider musste die Reihenfolge gewechselt werden, schade, den Enkelerholungsurlaub haette ich brauchen koennen. Aber gut, muss auch so gehen, also Polo--Rolle gepackt, Zelt geschnuert, alles hinten auf dem Soziussitz festgezurrt und ab - Route 66. Meine Route 66 lag allerding nicht im WESTEN der STAATEN, sondern im Osten -- Polen und Tschechien, war ja nur ne knappe Woche Zeit. Aber die Route 66 steht ja auch nicht unbedingt fuer ne geografische Laengen und Breitenangabe, sondern in erster Linie fuer das Gefuehl von Freiheit und Abenteuer - und das haben nicht nur HARLEY-Fahrer fuer sich gepachtet, sondern auch so manch anderer Biker, auch auf Yamaha-Virago. Los gings also Sonntag frueh gegen 9, bis zur polnischen Grenze war die Tour im GPS gespeichert, danach gings mangels Fugawi im Freestyle weiter, das GPS gab die groben Werte vor, und die Feinheiten wurden dann vor Ort entschieden. Klar, in ner Gruppe zu fahren hat natuerlich unbestritten auch seine Reize, aber wenn man allein ist muss man auch niemanden fragen: fahrn wir rechts oder links, gehn wir zu McDonalds oder zu BurgerKing.
Die Verkehrslage war ruhig, kaum Verkehr auf meiner Strecke. Ein paar Rallye-Monte-Lugau- Rueckkehrer mit ihren Schwalben auf dem PKW-Haenger begegneten mir, gegen 11 Uhr stand ich bei Senftenberg dann am ersten Braunkohlenloch. Spaeter sollten mir noch mehr begegnen, und immer wieder ueben diese gefluteten Loecher ihren Reiz auf mich aus - eine recht wilde Landschaft, spaerlich bewachsen mit ein paar jungen Birken, schroffe Abhaenge und eine grosse Wasserflaeche - ein faszinierender Anblick. Aber nicht weiter aufgehalten, ich will ja weg aus Deutschland. Einen kleinen Uebergang suedlich von Weisswasser hatte ich mir ausgesucht, eine gute Wahl, ich war der Einzige, der Raus wollte. Hinter der Grenze die ueblichen Haendlerstaende, interessierte mich aber weniger, ich wollte nur etwas Kohle wechseln, 50,- DM sollten fuers Erste reichen - taten sie dann auch.

Zurueck also auf die Landstrasse, erst in Richtung Boleslawiec und dann weiter in Richtung Jelenia Gora. Die ersten 20 km waren weniger geeignet fuer mein Shopperlein, hier haette eine Enduro sicher bessere Dienste geleistet, die Strassen waren graesslich. Dann besserte sich die Lage allerdings merklich, und ich kam gut auf den Asphaltpisten voran. Aufgefallen ist mir, dass in Polen offensichtlich allgemein recht langsam gefahren wird, auch Autos die schneller haetten fahren koennen fuhren recht verhalten (Ausnahmen bestaetigen die Regel). Auch Polizei konnte ich auf meiner Fahrt so gut wie nicht sehen. In den meisten Ortschaften war die Hoechstgeschwindigkeit auf 40km/h begrenzt, hoffentlich fahren nicht allzuviele GRUENE mit dem Auto hierher und bringen das als Beitrag zur Voelkerverstaendigung mit zu uns.
Allerdings fiel mir die doch recht hohe Zahl an Bikern auf, die mir entgegenkamen, zum Teil auch auf recht schweren Maschinen. An einem Bratwurststand kurz vor Jelenia Gora erfuhr ich dann auch den Grund: hier hatte an diesem Wochenende ein grosses Bikertreffen stattgefunden - mit Flugshow und Autoverbrennung - schade, haette ich mir auch mal angesehen. Der Bikergruss ist hier auch bekannt, Jeder gruesst Jeden, und das nicht nur mit laschem Fingerheben sondern mit z.T. recht intensivem Winken.

Weiter gings immer an der Nordseite der Hohen Tatra entlang, ueber Nebenstrassen nach Walbrzych und weiter nach Lodzko. Dann hinein in die Berge - aber leider blieb die Strasse doch meist im Tal. Die Wegweiser konnte man - zumindest als Fremder - vergessen. Und da die Basemap im GPS auch nicht so der Knalller ist, vor allem wenn man eigentlich Nebenstrassen fahren will, reifte in mir der feste Entschluss, mir die FUGAWI- oder QuoVadis-Software zuzulegen, mit denen man auch Papierkarten einscannen und seine Routen so vorbereiten kann, denn dass es in absehbarer Zeit eine Mapsource-Software fuer Polen und Tschechien geben wird, ist eher anzuzweifeln.

Gegen 7 dann kam ich auf dem anvisierten Campingplatz auch an, die Belegung war nur maessig und die Uebernachtung mit 6,- DM nicht teuer. Abendessen sollte es eigentlich in der Dorfkneipe geben, ich sass auch schon 10 min., bis die Kellnerin kam - aber nicht zu mir. In der rechten Hand einen Aschenbecher, in der Linken eine brennende Zigarette - kurzer Blick auf mich - und sie setzte sich an einen Tisch, um zu Ende zu rauchen. Na gut, da bin ich denn eben wieder abgehauen von diesem gastlichen Ort und hab mir eine der wohlweislich mitgenommenen Buechsen (war wohl Jaegersuppe) aufgemacht. Leider war auch kein deutscher Sender reinzukriegen, weder in mein UKW-Radio nach in den LCD-Fernseher, so dass ich noch nicht mal rauskriegen konnte, ob der Schumacher auf dem Hungaroring nun endlich mal wieder gewinnen konnte ( inzwischen weiss ichs, er war 2., also auch kein grosser Verlust, das Rennen nicht gesehen zu haben). D2-Funknetz war ueberall stabil, wenn natuerlich zu Hause keiner rangeht, nuetzt die beste Funkversorgung nix. Jedenfalls reifte in diesen Stunden in mir der Entschluss, an naechsten Tag nach Tschechien weiterzufahren, was ich dann nach einem letzten Tankstop (ca. 1,50DM /l Normal) auch tat. An der Grenze in Richtung Tschechien hatte sich eine schoene Schlange gebildet, und die Sonne brannte auch schon recht nett auf meine schwarzen Lederklamotten. Nun hatte ich mir ja kein Motorrad zugelegt, um mich hinten am Stau anzustellen, und auch hier konnte ich einige Plaetze gut machen, was mir eine Gesamtwartezeiit von nur 15 min einbrachte. Die meisten Autofahrer hatten auch keine Probleme mit meiner Durchschlaengelei.
Auf tschechischer Seite wieder Geldwechsel, misstrauisch wurde mein Hunderter geprueft, schien aber als echt durchzugehenn. Waehrend die polnische Waehrung mit 1:2 noch recht gut zu ueberblicken ist, muss man bei der Krone mit ca. 1:18 schon ganz gut umrechnen. Die Versorgung mit Tankstellen auch hier in Tschechien kein Problem, allerdings ist der Sprit auch hier mit fast 2 DM ganz schoen happig. Auch hier war die Funktelefonversorgung nicht zu beklagen, von den hiesigen Netzbetreibern wurden sogar deutschsprachige Begruessungs-SMS mit den entsprechenden Servicenummern geschickt. Mein naechstes Teilstueck sollte ueber Trutnov, Mlada Boleslav und Melnik in die Vororte von Prag gehen. Eine schoene kurvige Strecke, im ersten Teil an einem Bach entllang in einem Tal ... sehr idyllisch.

In der Ferne waren wieder die Berge zu sehen, diesmal aus suedlicher Richtung. Aber so richtig in die Berge sollte es auch diesmal nicht gehen, die Strassen liefen doch immer in einer Talsohle entlang. In Trutnov ein kurzer Blick auf die Karte, aha, die B 16 (wahrscheinlich ist das hier keine "B", aber vergleichbar) gehts weiter. Und ploetzlich ein Schild : ZOLL - hää?? Nochmal ein genauer Blick auf meine Position - naja, ganz schoen daemlich gewesen. Die Strasse war so schoen, und so idyllisch und schlaengelig, und die Namen klingen sowoeso alle irgendwie gleich, jedenfallls - das war wieder die polnische Grenze, nur ein anderer Uebergang. Die Strassennummer in Trutnov war schon richtig gewesen, nur leider nicht die Richtung. Naja, es war nicht weiter schlimm, 10 km schoene schlaengelige Strasse zurueck, es fuhr sich wirklich schoen, keine nervigen Spitzkehren, man muss kein Streetfighter sein um hier gut durch die Kurven zu kommen, und jetzt weiter in die richtige Richtung. Schon jetzt fiel mir der Mangel an Motorraedern auf - gut es ist Mitten in der Woche, aber doch herrliches Wetter.

Die einheimischen Mopeds , Jawa 20, Jawa 50, Jawa Mustang, alle bestens bekannt aus meinen Jugendtagen (Mit ner Jawa Mustang bin ich immer mit 55 Sachen die Autobahn von Leipzig nach Dresden langgebrettert, das ging damals noch.) Aber grosse Motorraeder - fast Fehlanzeige. Dafuer fahren die Autos doch deutlich schneller und "nicht unrisikovoller" als in Polen, und auch Polizei ist hier deutlich mehr praesent als dort.
Ueber Mlada Boleslav ging es dann weiter auf der B 38 in Richtung Ceska Lipa. Leicht welliges Land wechsellte mit einzelnen hoeheren Bergen, hie und da sah man auch eine Burg. Kurz vor Doksy machte mich dann eine Schlaengellinie auf der Karte auf ein vielversprechendes Stueckchen Strasse aufmerksam. Wenn auf einer 1:750 000 - Karte eine Strasse schon so wellig dargestellt wird, dann laesst das was erwarten. Die Richtung nach Melnik stimmte auch, also los. Und es war toll. In einer bewaldeten Schlucht, von Felsen umgeben, schlaengelte sich die schmale Strasse an einem Bach entlang. Ein fluessiges Fahren war kein Problem, aber hinter manchem Felseckchen musste man schon mit Gegenverkehr rechnen und auf der Hut sein, denn breit war das Straesschen nicht.

Ueber Melnik gehts dann weiter auf der B9 in Richtung Prag, wo ich dann kurz vor 6 in einem schoenen Obstgarten, der als Campingplatz ausgebaut war, mein Tagesziel erreichte. Der Platz lag mitten im Ort, von der Strasse aus nur durch ein unscheinbares Schild zu erkennen. Von aussen war die Rezzeption nur durch eine Sprechanllage zu erreichen. Als sich das Tor geoeffnet hatte, fuehr man wirklich in einen etwas groesseren Obstgarten, wo ich mein Zelt unter einem Apfellbaum aufbaute. Es waren kaum Gaeste da, was eigentliuch verwundert, denn der Platz selbst ist von der Lage her ideal fuer einen Pragtrip geeignmet. Neben relativ neu gebauten Sanitaeranllagen sind hier auch noch etwwa 20 Mietwohnungen zu finden. Ich mietete mich fuer 2 Naechte ein, was mich knapp 25 DM kostete, da ich fuer den naechsten Tag eine Pragbesichtigung geplant hatte. Aus meiner Polen-Kneipenerfahrung schlau geworden oeffnete ich mir gleich ein Doeschen und liess mir die Fruehlingssuppe schmecken. Danach startete ich noch eine Dorfbesichtigung zu Fuss, da sich die inzwischen zurueckgelegten ca 800km doch am Hintern bemerkbar machten. Zu guterletzt stand ich halt doch vor der Dorfkneipe, denn ein tschechisches Bierchen nach einem langen Tag ist eben nicht zu verachten. Die Kneipe war voll. Der Fernseher lief - DSF brachte Mattenskispringen.

Ueber die Tische hinweg war eine angeregte Unterhaltung im Gange. Ich setzte mich an einen der Tische, da fragte der Wirt vom Tresen aus auch schon in Zeichensprache PIVO? - ich brauchte nur zu nicken - wir hatten uns verstanden. Keine Minute spaeter stand der halbe Liter auch schon da. Gespannt konnte ich der Unterhaltung jetzt folgen, es schienen Brueckenkonstrukteure zu sein. Einer malte immer einen grossen Bogen in die Luft, was ein anderer mit einer geraden Linie konterte.

Verstehen konnte ich kein Wort, nicht weil die Unterhaltung tonlos gefuehrt worden waere - im Gegenteil. Aber ich spreche nun mal nicht die Landessprache. Es war jedenfalls hochinteeressant und ich fuehlte mich wirklich wohl in dieser Athmosphaere. Per Fernabruf kam auch das 2. Bier, und als ich die Frage nach einem 3. Halbliter verneinte konnte ich mich ueber eine Rechnung von 2 DM freuen. Dunkel konnte ich mich auch noch an Zeiten erinnern, als ich in Deutschland 98 Pf fuer ein Bier zahlen musste, ist aber schon ueber 10 Jahre her ;) Mit dieser positiven Erfahrung ging ich zu Zelt, halbes Stuendchen noch tschechisches Fernsehen, und der Tag war gelaufen.

Am naechsten morgen dann daemmerte mir schon, warum hier so wenig los ist: die Dorfstrasse scheint eine ziemlich wichtige Einfallsstrasse nach Prag zu sein, und eine, wenn auch wenig genutzte, aber doch laute Flugroute fuehrt auch ueber den Platz. Am Abend vorher hatte der Nachbar, der offensichtlich aus Deutschland eingefuehrte Schrottautos aufarbeitet, mit seiner Flexx schon fuer Stimmung gesorgt, und sein Hund hoert offensichtlich auch jeden Floh husten. Na gut, aber wens nicht stoert ....

Gut - der Weg ins Prager Zentrum war nicht schwer zu finden, alles gut beschildert. Probleme bereitete mir allerdings das Parken. Nicht, dass es keine breiten Buergersteige gegeben haette, aber wird das Parken auf dem Fussweg hier auch so toleriert wie bei uns? Ich stellte mich dann nach einigen Einfuehrungsrunden neben eine einheimische 250er Jawa, in der Hoffnung, dass das schon Rechtens waere. Bisher gabs auch noch keine Zahlungsaufforderung.

Die Sonne brannte auch heute wieder knallig herunter, und ich konnte im Laufe des Tages einige Bier, spaeter Fanta, in den vielen kleinen Freiluftkneipen in mir verdunsten lassen. Meine Marschroute zu beschreiben verkneife ich mir, es sind aber doch einige Meterchen zu Fuss zusammengekommen. Die Touristenstroeme scheinen hier sowieso unsichtbaren Schienen zu folgen, Wenzelsplatz - Altstadtgaesschen - Karlsbruecke - Hradschin und zurueck. Es gibt ein wirklich pulsierendes Leben hier im Zentrum, man spuert schon den Hauch der Weltstadt.
Hier übrigens ein Prager Jungmanager bei der Mittagspause auf dem Wenzelsplatz, einen HotDog kauend

So einfach die Hinfahrt, so kompliziert die Rueckfahrt, hier hilft kein GPS. Die engen Haeuser schluchten, das Labyrinth aus engen Einbahnstrassen - bis man auf die Hauptroute zurueckgefunden hat ist man einige Ehrenrunden gefahren. Aber logischerweise gehts irgendwie doch raus, und ich fand zu meiner Kneipe zurueck. Der gleiche Personenkreis wie am Vortag, nur schienen es heute von der Gestik her eher Hoehlenforscher zu sein. Diesmal stand mein Bier schon fast vor mir auf dem Tisch und auch das 2. kam ohne Anforderung. Die Frage nach dem 3. Glas verneinte ich auch heute, nahm noch ein paar chips mit und verzog mich, reichlich pflastermuede, in mein Zelt. Puenktlich um 7 kam auch die Schraubercrew meines Nachbarn wieder an, und die inzwischen schon bekannte Geraeuschkulisse war wieder komplett.
Am naechsten morgen ging es gegen halb 9 los in Richtung Deutschland, ueber Melnik in der Elbniederung entlang, mal die Huegel hoch, mal runter. Hier kommt auch der Hopfen fuer das Bier her. Auf dem Stueckchen Weg von Prag bis an die Grenze habe ich 3 Radarfallen zaehlen koennen, scheint ein eintraegliches Geschaeft zu sein. Dafuer standen dann auf dem letzten Stueck zwischen Teplice und der Grenze ne ganze Menge nette Maedchen, die den ausreisenden und vielleicht sogar geblitzten Touristen zu Trost noch mal zuwinken. Na, ich wurde zwar nicht geblitzt, aber ich hab natuerlich trotzdem freundlich zurueckgewinkt - logo.

Die Ausreise ging recht flott, auf der Gegenseite war die Schlange groesser, und ich konnte nach kurzer Zeit die Nordseite des Erzgebirges hinunterschlaengeln. Mein naechstes Ziel war der Harz, wo ich noch einige Kurven fahren wollte. Kurz vor Dippoldiswalde also auf die B 171 abgebogen und ueber schoen gewundene Wege, nicht nur nach rechts und links, sondern auch nach oben und unten, immer an der Nordseite des Erzgebirges entlang. Bei Sayda dann runter von der B und in Richtung Freiberg weiter.

Hier bekam ich auch erstmals die eigenwillige Geschwindigkeitsbeschilderung der hiesigen Bergvoelker mit: Auf einer Strecke, bei der ich schon auf 40 abgebremst hatte, wurde die zulaessige Hoechstgeschwindigkeit mit 80 festgelegt - die Kurventechnik der Hiesigen scheint doch weit ausgefeilter als die der Flachlaendler.

Ueber Mittweida, Altenburg, Naumburg und Koelleda gings in Richtung Kyffhaeuser. Das Hoch und Runter machte wieder maechtig Spass, auch hier wieder Bergbeschilderung ( Ich:30 Baustellenschild:70 ). Bei Stolberg fiel ich dann in den Harz ein, und auch hier wieder: Auf einer Strecke, die fuer LKW gesperrt war, wegen zu enger Strasse, gabs wirklich eine Gaschwindigkeitsbegrenzung ... auf 100 ! Da schon einige Kilometer zusammengekommen waren, sah ich mich nach einem geeigneten Campingplatz um. Und hier begann der Frust. Der 1. Platz bei Strassberg: " Noe, wir nehmen keine Zeltler mahr auf, nur Caravans, wegen der Sanitaeranlagen. Aber 3 km weiter am Birnbaumteich - da isses kein Problem. Na gut, 3km sind wirklich kein Problem, und so kam ich am Campingpark (Campingplaetze gibts ja kaum noch) Grosser Birnbaumteich an. Sah gut aus, neues Rezeptionsgebaeude im Blockhausstil, gepflasterter Parkplatz, Schrankenanlage. Also rein, Tuer auf... nee. Nicht Tuer auf, geoeffnet bis 17.30 Uhr, und ich wollte erst 19.00 Uhr ( Nachtschwaermer der ich bin ) einen Platz. Aber fuer alle spaeter Ankommenden war ja servicemaessigerweise ne Handynummer angegeben, heutzutage hat ja auch jeder Camper ein Handy mit. Na, ich hatte eins, und so konnte ich also anrufen und um Einlass begehren. Ja schon, nur der Teilnehmer war voruebergehend leider nicht erreichbar.

Toll, gibt ja noch mehr Plaetze. 3. Versuch bei Friedrichsbrunn. Der Zeltplatz entpuppte sich als Bungalowsiedlung mit Zeltwiese, der Betreiber zeigte mir auch den Platz an dem ich aufbauen und "niemenden stoeren" koenne. Als ich dann aber mit dem Bike dahin fahren wollte, begann das Problem: Obwohl meine Virago und ich zusammen sicher nicht mehr Kilo auf die Waage bringen als ein gutgenaehrtes Mittelstandsehepaar (sorry), haette ich die Wege kaputtfahren koennen. Und das Motorrad muss auf dem Waldparkplatz stehen. Naja, wenn ich auf Tour mit dem Zelt bin dann schlaeft mein Bike da wo auch ich schlafe. Also Pferde gesattelt, den Harz fuer die naechsten 10 Jahre als Campingziel abgehakt und ab in Richtung Heimat, in der Hoffnung, doch noch am Wegesrand einen Campingplatz zu finden. War ne truegerische Hoffnung und so gegen halb 10 in dunkler Nacht uebermannte mich kurz vor Koethen der Hunger.
In einer Dorfkneipe konnte ich mir ein Holzhackersteak einverleiben, und als ich mir beim Wirt den Frust von der Seele geredet hatte sagte der, dass man am Dorfsportplatz ganz gut mal eine Nacht zelten koenne. Allerdings solle ich erst mal die Strasse langfahren, wenn da auffaellig viele Autos stehen, dann ist da gerade Drogentreff - munkelt man. War wohl gerade nicht, und in stockdunkler Nacht konnte ich mein Zelt aufbauen, was mir dank der vorangegangenen Trainingsaufbauten bei Tageslicht auch gut gelang. Die Raubmuecken und die fortgeschrittene Zeit trieben mich auch gleich in meinen Schlafsack. Der naechste Morgen in der Wildnis konnte mich nicht schrecken, ich hatte ja alles mit: Gaskocher, Kaffee, Zucker, Kuchen... aber leider keine Wasserflasche. War also doch nix mit gemuetlich im Morgentau fruehstuecken - das Gesicht zum munterwerden einfach mal durch das feuchte Gras gezogen und ab.

An der naechsten Tankstelle, tanken war sowieso mal wieder dran, goennte ich mir dann meinen Morgenkaffee und warf mir eine Handvoll Wasser ins Gesicht, fuer den letzten Tag reichte diese Morgertoilette allemal aus. Da der Harz ja nun ausgefallen war, plante ich meine Tour etwas um, durch die Duebener Heide.

Da lag natuerlich nahe, einen Abstecher ueber Ferropoldis, der Stadt aus Stahl mit seinen Tagebauloechern

und als Gegensatz dazu den Woerlitzer Park zu machen. Auf dem Wege dahin ist die Gegend um Bitterfeld von Wiesen, Weiden, Windmuehlen und langen geraden Strassen gepraegt.

Im Gasthof Oppin an der B2, wo der gutgelaunte Chef selbst servierte, nahm ich meine letzte mobile Malzeit ein.

Dann gings mit der Elbfaehre (bei Nachfahren des Tracks bitte beachten, die Strasse ist hier durch Wasser unterbrochen!) in Richtung Jessen und weiter Wittenberg.

Auf diesem letzten Stueck gabs dann noch ein tolles Unwetter, vor dem ich mich allerdings noch rechtzeitig in eine Bushaltestelle retten konnte. Einige Kilometer weiter hatte ein vom Sturm heruntergerissener Ast ein Auto eingebeult, der Stau war ganz schoen lang.

Noch ein Stueck weiter lag eine 5 cm dicke gruen-braune Schmiere Kilometerweit auf der Strasse, wenn nicht schon ein paar LKW eine Spur gefahren haetten waere hier fuer ein Zweirad kein Weiterkommen mehr gewesen. Das nasse Zeug auf der warmen Strasse erzeugte einen Nebel, dass man die Hand vor Augen kaum noch sah. Als ich dann bei Treuenbrietzen endlich durch war, die Sonne wieder schien, goennte ich mir noch ein Softeis und konnte die letzten Kilometer Richtung Badewanne ohne weitere Zwischenfaelle zuruecklegen.

Es waren 1600 km in relativer Freiheit, und spaetestens naechstes Jahr werde ich mir eine solche Woche wieder goennen. Wenn man halbwegs Glueck mit dem Wetter hat dann ist das ein phantastisches Soft-Adventure-Erlebnis.

30.August 2000


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