Motorradtour in die Slowakei 2003

vom 15. bis 20. September




16.9.2003, Montag:

Track Leider ging es doch nicht ganz so frueh los, wie eigentlich geplant, Sonntag Mittag war ja Abreise angesagt gewesen, aber dann gabs doch noch eine Party nach der Party, und obwohl in Germany 0,5 Promille irgendwie zugelassen sind hatte ich die Vermutung, dass im Falle einer Kontrolle dieser Wert doch erheblich ueberschritten worden waere. Also lieber noch eine Nacht ausgeruht und Montag morgen (naja, 10 ists trotzdem geworden) auf die Strasse nach Sueden. Startpunkt war Neuruppin, dann quer duch Berlin und in Richtung Dresden abgeduest. Schnell sollt es gehen, also logischerweise Autobahn. Nach 170 km leuchtet schon das rote Laempchen - Tanken nicht vergessen. Verdammt, bin ich doch wieder zu flott unterwegs - aber es muss ja vorwaerts gehen. Dresden und der restliche Weg bis zur Grenze erweisen sich wie immer als Tempobremse, Ampeln und Baustellen fordern ihre Zeit. Gegen 14 Uhr bin ich in Zinnwald, raus lassen sie mich auch schnell und flott gehts weiter Richtung Prag. Track Ein kleiner Abstecher nach Litomerice waer ganz schoen gewesen, aber ich muss noch anstaendig Kilometer machen, 5 Tage Urlaub lassen keine Umwege zu. Ein paar Kilometer Landstrasse, wie immer den Maedels am Strassenrand freundlich zugewinkt, und schon bin ich wieder auf der Autobahn. Prag fliegt vorbei, selbstverstaendlich wieder mit den ueblichen Staukreuzungen, aber Montag Nachmittag ists nicht ganz so schlimm. Oder kommt es mir nur so vor, weil das Wetter zwar sonnig, aber nicht mehr zu warm ist? Jedenfalls habe ich am Suedende von Prag unser - man kann schon fast sagen Stamm-Mc Donalds - erreicht, ein wenig essen, etwas trinken (Cola !!!), und flugs weiter. Nur von den obligatorischen 170km-Tankstops unterbrochen komme ich bis Brno. Hier gilt es sich zu entscheiden - wohin. Per Mail hatte ich mich ja mit einem Bekannten in Bratislava verabredet der wolte sich aber nochmal melden, obs auch klappt. Aber noch keine SMS eim Speicher. Da mein eigentliches Reiseziel - Poprad - in der entgegengesetzten Richtung lag war guter Rat teuer. Ich entschied mich gegen Bratislava, wie sich 2 Stunden spaeter herausstellte zu recht. Termin geplatzt - Dienstreise. Lonely, ebenfalls eine Internetbekanntschaft, hatte mir einen Campingplatz bei Prostejov empfohlen, sicher kein schlechter Tip, aber eben nur bis zum 15. September, bei meiner Anreise am 16. war das Tor zu - Saison beendet. Bild Dunkel wars inzwischen auch schon, ich hatte ja auch fast bis 20 Uhr getroedelt. Also ein paar Kilometer zurueck, da hatte ich eine Pension gesehen. Leider gabs da fuer mich kein Zimmer, alles ausgebucht.....???? Also zurueck in die Stadt, da wirds ja was geben. Und richtig, wieder ne Pension. Wie sich herausstellte wars aber ein besseres Hotel. Ein Zimmer 660 Kronen, ca. 20 Euro. Na gut, waren immerhin fast 700 km heute. Gekauft. Eine Nachfrage der Receptionsschnecke ergab dann aber, dass leider leider nur noch ein Appartement fuer 1400 Kronen frei war. So ein Pech aber auch. Ich schnappte mein Sachen, denn das war mir doch bissl happig, und wollte gerade auf dem Absatz kehrt machen, da wurde mir das 660 Kronenzimmer nach einer Stunde Wartezeit angeboten. Gut, ich wollte sowieso noch ein Abendbierchen trinken, ich brachte meine Tasche also hoch und siehe da, das Zimmer war schon fertig. Schoen. Lang wurde der Abend nicht mehr, ein paar Bilder ueberspielt, noch ein Bierlein getrunken, und ich war weg. Die Fernbedienung fuer Fernseher, Sat-Anlage und Klimaanlage brauchte ich nicht mehr. Nur die Minibar war um das eingelagerte Bier aermer.


Dienstag:

2.jpgDas Fruehstueck war reichhaltig. Eigentlich wollt ich ja nur paar Ruehreier, aber dann gabs noch Torte, Pfannkuchen, Marmelade und Honig, Joghurt, Obst ..... Ich blieb bei Ruehrei und Kaffe, goennte mir als Schmankerl noch ne Selter. Dann die Pferde gesattelt und los. Paar Kilometer Autobahn noch..... nur gabs da keine Auffahrt. Ich bin zwar gestern hier von der Autobahn runter, aber rauf kommt man hier nicht. Also nochmal zurueck und durch die Stadt auf den rechten Weg. Von nun an gabs nur noch Landstrassen bis zut slovakischen Grenze. Zwar waren es nur kleine Strassen, und auch der Grenzuebergang war nicht gross, aber die LKW-Schlange war doch lang. Ich wurde vom letzten LKW vorbeigewunken und war schnell am Uebergang. Das Maedel auf der tschechischen Seite war wirklich nett und freundlich, war sie froh mich loszuwerden? Wahrscheinlich, denn das Maedel auf der slovakischen Seite war wirklich fies drauf. Eiserne Mine - verdammt, muss ich DEN jetzt in MEIN Land lassen? Neben dem Pass musste ich auch noch die Papiere vom Mopped vorzeigen, das hatte ich bis dahin eigentlich noch nirgends erlebt. Na gut, Dokumententest, Nummern gecheckt, CIA und FBI gaben ihr ok und ich durfte passieren. Dafuer war die Kleene vom Geldwechsel wieder umso freundlicher, die wollte mir gleich noch ne Autobahnvignette verkaufen - braucht man zwar nicht fuern Motorrad, aber schaden kanns ja auch nicht .... Je weiter oestlich ich kam, desto interssanter wurde die Landschaft und desto weniger Policia war zu sehen. In Tschechien war eine deutliche Praesenz da, die war bei dem Fahrstil so manchen Fahrers auch noetig. In der Slovakei hab ich bisher noch kein einziges Polizeifahrzeug gesehen, obwohl der Fahrstil der gleiche ist. Gegen 4 war Poprad erreicht, einige Kilometer weiter suedlich lag mein Reiseziel, das Basiscamp in Slovenski Rai. Ein kleines Bergmassiv suedlich der Hohen Tatra mit vielen interessanten Wanderwegen. Der Campingplatz, auch eine Empfehlung von Lonely, ist Ausgangspunkt von interessanten Wanderrouten. Ich werde wohl auch mal einige Kilometer unter die Sohlen nehmen. Ich buchte eine Huette von Dienstag bis Freitag, macht 660 Kronen, ca. 20 Euro. Die Hutten sind allerdings nur etwas fuer ....tja, Puristen, wie ich eigentlich auch einer bin. 2 Doppelstockbetten (ich schlaf lieber unten, da faellt man nicht so tief beim Zusammenbruch), ein wackliger Schrank, eine zerfallene Elektroheizung. Aber immerhin sauber bezogene Betten, Strom, Licht und warmes Wasser. Bild Meine paar Habseligkeiten waren schnell eingeraeumt, noch eine Ehrenrunde durch die unliegenden Doerfer gedreht, und gegen 18.30 Uhr sass ich in der platzeigenen Kneipe. Der Kellner machte seinen Job, laecheln steht nicht im Arbeitsvertrag, aber Essen und Trinken kamen flott,schmeckten gut und waren preiswert. Und mit zunehmendem Gambrinusgenuss (das Premiumbier hier) geht auch der Tagesbericht flott von der Taste. Falls sich ein Fehler einschleichen sollte - es war ein langer T ag ;-))) . Lonely will auch noch anrufen, wir wollen uns hier endlich mal persoenlich kennenlernen, er macht mit Familie und Dose Urlaub. Mal sehen obs klappt, irgendwie scheinen wir auf der gleichen Wellenlaenge zu sein, bin gespannt. Morgen will ich eine Nordschleife fahren, die Hohe Tatra ankratzen und, wenn noch Zeit bleibt, eine kleine Wanderung unternehmen. Und vielleicht find ich auch noch einen Campingladen, denn Kaffe, Zucker, Gas - alles hab ich mit. Nur leider ist mein Brenner weg - verdammt, vergessen. Muss ich also in die Kneipe zum Fruehstueck .... Das Wetter sieht bisher sehr gut aus, Sonne satt, ein wenig kuehl, aber das ist beherrschbar.


Mitwoch:

4.jpgDer Tag fing so schoen an - Sonne satt. Und endet wirklich - Scheisse. Eigentlich hab ich nicht mehr so die rechte Lust in die Tasten zu greifen. Nee, nicht weil die Kneipe schon wieder um 9 die Stuehle hochstellt sondern .... aber der Reihe nach. Freuhstueck gabs nicht - kein Kocher, das wollte ich unterwgs nachholen. Gegen 9 wurden also die Pferde gesattelt und die ersten Kilometer in den Staub geschrieben. Ich wollte einen grossen Bogen erst nach Osten bis Presov und dann nach Norden und westwaerts durch die Berge zurueck. Bis Presov gibt es eine schoen zu fahrende Strecke, der Belag ist gut und es sind weitgeschwungene Kurven vorhanden. Als sich dann der Weg gabelte, links Autobahn und rechts Landstrasse fuhr nich natuerlich die krumme Strecke. Die wurde richtig krumm, in schoenen Serpentinen wand sich die Strasse den Berg hinauf, und auf der anderen Seite natuerlich wieder runter. Die Autobahn ging in einem 5km langen Tunnel mitten durch den Berg. In Presov dann planmaessig nordwaerts abgebogen, runter von der Europastrasse und auf eine gewoehnliche Fernstrasse. In Lipany wollte ich dann auch die verlassen und ueber die Doerfer, auf gelben Strassen, durch die Berge kurven. Von der Hauptstrasse war ich schon runter, der Ort fast zu Ende, da stehen zwei Leute auf der Strasse und plaudern. Sie schaun mich an, ich mache einen eleganten Bogen um die Zwei ..... wollte ich machen. Fast auf gleicher Hoehe mit den beiden rennt die Frau ploetzlich los - schaut mir ins Gesicht und rennt los - peng, mir mitten in die rechte Seite. Es knallte gewaltig. Ich dacht ich spinne. Laut bruellend und fluchend stelle ich das Mopped ab und schau mich um, da liegt sie , mitten auf der Strasse. Am Kopf eine riesige Platzwunde, vom Sturz offensichtlich. Ich wollt mich um sie kuemmern, aber ihr Begleiter bedeutete mir, sie nicht anzufassen. Er war ganz friedlich, konnte selbst nicht fassen was passiert war und bedeutete mir, das mich keine Schuld trifft. Na wenigstens was. Ein inzwischen eingetroffener Transporterfahrer telefonierte nach Polizei und Krankenwagen. Die brauchten aber wirklich ewig. Inzwischen war eine wahre Powertelefoniererei im Gange, keiner konnte so richtig verstehen, was da so ewig dauerte. Die Frau war inzwischen wieder ansprechbar, stand aber unter Schock. Ich auch. Inzwischen, nach gut 20 Minuten, waren Polizei und Sani da, der Arzt sprang da in nem Kaschmirmantel oder sowas rum, naja , jedenfalls war die Frau versorgt und wurde mit ihrem Begleiter ins Krankenhaus gefahren. Die Polizei nahm noch die Oertlichkeit auf, vermessen usw., dann gings ins Revier. Pass und alle Papiere hatte ich natuerlich abgeben messen, die Alkoholprobe ergab 0,00 Promille - bloss gut, dass es zum Fruehstueck kein Bier gab. Bild Mit ein wenig Englisch ging es vorwaerts, aber es reichte wohl nicht fuers Protokoll - auf beiden Seiten. Es wurde ein Dolmetscher bestellt. Das dauerte, denn es war eine Lehrerin aus Presov. Mit ihr ging es dann noch weiter vorwaerts - bis wir wieder auf die Leute vom Gericht warteten. Jedenfalls lernte ich auf diese Weise wenigstens etwas ueber Land und Leute kennen, wir unterhielten uns ganz gut. Als die Gerichtsleute da waren gabs nochmal Fragen zum Unfallhergang, mein Mopped wurde vermessen, und nach ca. 6 Stunden konnte ich dann wieder losziehen. Es war eine korrekte Behandlung auf dieser Wache, aber ein Unfall mit Personenschaden, noch dazu mit nem Auslaender - das dauert natuerlich. Der Frau ging es den Umstaenden entsprechend, die Kopfwunde war wirklich nur eine Platzwunde, allerdings hatte sie sich das Bein gebrochen. Die Sonne stand schon recht tief und ich machte, dass ich wieder zurueckkam. Diesmal nahm ich die Strecke durch den Berg, nach Landschaft und schoenen Kurven war mir nicht mehr so richtig. Das Treffen mit Lonely faellt leider ins Wasser, schade, er ist schon an nem anderen Ende des Landes auf dem Heimweg. Hat mich noch angerufen, wollte mit vor Vergnuegen quietschen hoeren, leider musste ich ihn nach dem heutigen Tag enttaeuschen, er hats verstanden .... Inzwischen kann ich schon wieder etwas durchatmen. Die Kneipe wird gleich schliessen, aber morgen frueh um 8 macht sie wohl wieder auf, Fruehstueck scheint also klar zu sein, einen Kocher konnt ich heute natuerlich nicht besorgen, Zahnpasta ist auch alle - ein Scheisstag.


Donnerstag:

6.jpgNa, das war doch mal ein Tag wie er sein soll: Arsch und Beine tun weh - herrlich. Fruehs gings schon los, herrlicher Sonnenschein - schon wieder, Fruehstueck in der Kneipe, die schon um 8 Uhr oeffnet, billiger als ein neuer Gasbrenner. Und dann rauf auf den Bock und die Tour von gestern nachgeholt Nicht ganz so weit oestlich, dafuer immer schoen am Suedrand der Tatra entlang. Poprad links liegen gelassen gings nach Kecmarok und dort traute ich mich wieder mal auf die gelben Strassen. Mit Ueberraschungen muss man hier natuerlich immer rechnen, mal abgesehen davon, dass ich heute in jedem Passanten am Strassenrand einen potentiellen Motorradumschubser vermutete, wird sich aber nach ein paar Tagen sicher geben, dieses Syndrom. Als ich von der roten Strasse abbog, war der Fahrbahnbelag noch gut, aber er wurde immer mieser. Jedenfalls konnte man an den meisten Stellen immer noch den Asphalt erkennen. Dann wieder wurde die Strasse so gut, als ob sie sagen wollte: Hey, gib nicht auf, paar Kilometer sind doch noch drin - nur um dann mit noch groesseren Loechern zuzuschlagen. Ich kam trotzdem ganz gut durch, auch wenn ich in manchenn Doerfern nicht unbedingt eine Panne haette haben wollen. Der Zigeuneranteil gerade hier in den Bergdoerfern scheint doch recht hoch zu sein, und waehrend die Frauen auf den Feldern wie die Ameisen wimmeln und Kartoffeln sammeln lungern die Maenner in groesseren Gruppen auf dem Dorfplatz herum - und die Goeren waren zum Teil recht provokant .... Bild An der polnischen Grenze war erstmal Schluss mit diesen Nebenstrassen, langsam zog sich mein Pfad wieder in Richtung Sueden. Einige Berge mussten noch in recht engen Serpentinen ueberwunden werden, dann naeherte ich mich dem Massiv der Hohen Tatra. Eigentlich eine recht ueberschaubare Groesse, die dieses Bergmassiv hat. An der Infrastruktur hier erkennt man klar: der Tourismus bringt Geld ins Land. Saubere, gepflegte Orte, aber auch gegen Geld bewachte Parkplaetze - hier kommen Touristen her. Ich fuhr die Strasse 537 von Tatranska Kotlina bis Strbske Pleso, immer am Fusse der Berge entlang ab. Eine Strecke wie geschaffen fuer Motorradfahrer. Ein griffiger Fahrbahnbelag, ohne Loecher, und in weiten Kurven immer rechts und links schwingend kann man sich in Schraeglage begeben, ohne auf gefaehrliche 180Grad-Kehren zu treffen. Ja, es fuhr sich herrlich. Bei Strbske Pleso ging es dann wieder ins Tal hinab, auch diese Strecke nochmal Spitze. Ich wollte ja heute noch einen kleinen Fussmarsch machen, also ueber Poprad zurueck ins Camp. Irgendwann gegen 15 Uhr war ich auch da, raus aus den Lederklamotten, Bauchtasche mit Fotoapparat umgeschnallt und los. Zu Fuss. Slovenski Raj ist ein grosser Nationalpark. Tiefe Schluchten, von Bergbaechen ausgewaschen, graben sich hier in die Berge. Direkt vom Campground aus beginnt eine solche. 8.jpg Ich fand das Bachbett, Geroell zeichnete seinen Weg, und folgte ihm. Es ging anfangs ganz locker. Der Bach fuehrte nur wenig Wasser. Spaeter wurde der Verlauf steiler, Holztreppen erleichterten das Vorankommen. Meine garantiert wasserdichten Bikerstiefel hatten auch schon den halben Bach aufgesogen. Ich hielt natuerlich trotzdem durch. Bis dann die Himmelsleitern kamen. Es ist schwer zu beschreiben, und auch die Fotos koennen das nur schwer wiedergeben, aber hier sollte der Ungeuebte umkehren. Ich tat das auch, nicht unbedingt aus Hoehenangst, aber durch meine garantiert wasserdichten Stiefel spuerte ich inzwischen auch jeden Stein, und die Treppenstufen hatten scharfe Kanten. Meine Bilder hatte ich ja auch im Kasten, also zurueck. Das war nicht einfach, ging aber schneller. Lonely hatte mir gesagt, fuer Slovenski Raj braucht man wenigstens einen Tag, ich hatte die Sache in anderthalb Stunden abgehakt, ich bin eben doch mehr Biker als Hillclimber. Die Sonne stand noch hoch genug, es war gegen 16.30 Uhr, ich musste ganz einfach noch ein paar Kilometer fahren, schon um meinen Stiefeln zu zeigen, was sie eigentlich zu tun hatten - naemlich Gaenge einwerfen! So richtig viele Strassen, die einen Rundkurs erlauben, gibts hier nicht, viele enden irgendwo in einem Bergdorf als Sackgasse. Ich hatte mir trotzdem einen Rundkurs ueber gelbe Strassen ausgesucht und legte nochmal 60km in den Staub. Und ich hatte Glueck, es waren schoene Strassen mit schoenen Kurven, durch herbstliche Waelder - klasse. Kurzzeitig hatte ich zwar ein wenig Sorge, ob ich mit meinem Spritvorrat auch die naechste Tanke erreichen wuerde, aber da heute ein sehr gemaechliches Tempo angesagt war leutete auch bei Kilometer 220 die rote Lampe noch nicht. Gegen 18.30 war ich wieder im Camp, Klamotten aus und rin in die Kneipe, genug Zeit, den Tagesbericht zu schreiben, ein wenig zu essen und zu trinken, bevor die Stuehle wieder hochgestellt werden. Morgen gehts schon wieder zurueck, Uebernachtung bei Schneewittchen und den sieben Zwergen, keine Ahnung was das sein soll, aber Lonely meint, da muss ich hin, und ich vertrau ihm ....


Freitag:

Bild Gestern abend hab ich in der Kneipe noch ein paar Wanderer kennengelernt, Deutsche, die ausschliesslich mit oeffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sind und trotzdem ganz schoen rumkommen, Hochachtung. Allerdings beherrscht einer von ihnen auch die einheimische Sprache ganz leidlich, was die Sache natuerlich stark vereinfacht. Heute morgen - womit hab ich das nur verdient - wieder strahlend blauer Himmel. Kuehl, aber das ist ja beherrschbar. Natuerlich hatte ich mir eine andere Route als auf der Anreise ausgesucht, der Hammer, ich ahnte das noch nicht, kam aber gleich am Anfang. Suedlich wollte ich die Berge verlassen, gelbe Strasse, aber ich hatte die Entfernung oder den Kartenmasstab voellig unterschaetzt. Die Strasse zug sich - mit wechselndem Belag - ohne Ende hin. Ein Schild: Achtung Kurven auf 4 km. Gut, 5 km hatte ich schon weg, dann wirds ja zu Ende sein. Noe, nach den 4km ein neues Schild: Achtung Kurven auf 5 km. Das ging ueber 20 km. Ein wahres Kurvenparadies, nur dass die Strasse wirklich sehr eng war, 2 LKW waren mir an uebersichtlichen Stellen schon entgegengekommen, aber hinter jeder engen Kurve konnte der naechste lauern. Die Strasse ging bergauf und bergab,oben wars warm, im Tal schweinekalt, Brille, Spiegel, Tacho - alles beschlagen. Irgendwie war ich froh, als endlich die rote Fernstrasse auftauchte, immer noch schoen kurvig, aber doch mit vernuenftigem Asphalt und relativ breit. Je weiter ich nach westen vorankam, desto gerader wurde die Strecke, desto leerer wurden auch die Doerfer, die Zigeuner, die die Strassen in den Ortschaften gefuellt hatten verschwanden - es wurde europaeischer. Der Fahrstil der Autofahrer blieb allerdings chaotisch, es wurde im Kamikazestil ueberholt, wo sich die kleinste Luecke zeigte, grauenhaft. 10.jpg Ich kam jedenfalls gut voran, und gegen 14 Uhr schon war ich in Piestany, dem Ort, den Lonely mir genannt hatte. Und jetzt fing das Grauen eigentlich erst an. Ich hatte ein Fax, auf dem standen Name und Ort, Milan L., Piestany. Keine Strasse oder Hausnummer, nix. Jut, so gross wird das Nest ja nicht sei n, in der Ortsmitte zeigte ich den Namen mit fragendem Blick ein paar Leuten. Sie erklaerten mir in sauberstem slovakisch - irgendwas. Ich fragte noch einige Leute, wurde den Berg hinaufgeschickt, da war ich endlich richtig. Milan L., das ist hier - aber zu dem wollt ich nicht, die wussten auch gar nicht, was ich ueberhaupt wollte. Mindestens 10 Milan L. gibt es hier - toll. Ich grenzte ein: MIlan L. mit einer Pension. Aaaaaaaaahhhhh, ja, das ist 4 km weiter ..... Ich also dahin. Stimmt, da is ne Pension, mit Huetten usw. Aber eben nicht Milan L. Ich hatte den Ort inzwischen 5 mal hoch und runter abgefahren, es war heiss, mir stand das Wasser bis zum A....., ich hatte die Faxen dicke. Der Akku im Telefon war auch runter - Schluss jetzt. Ich fuhr also weiter, was eigentlich erst fuer morgen geplant war, Wollte mir unterwegs eine Pension suchen, aber Pustekuchen. Kam nix. Langsam machte sich auch das rote Benzinlaempchen bemerkbar, huch, schon wieder so viele Meter abgespult? Kurz vor der Grenze dann endlich ne Tanke, leider wegen Besitzerwechsel und Renovierung geschlossen. Da, das Schild: Breclav 17 km. Breclav, das kennste, da kennste dich aus dacht ich mir. Also los, an der Grenze wurde ich gleich durchgewunken, ein oesterreichisches Bikerpaderchen auch. Und dann die ersehnte Tankstelle, puhh. In Breclav gibts natuerlich nur eine Stelle, unser Stammcampingplatz. Wie immer ein Schock beim einfahren - hat er zu? Ein ziemlich grosses Stueck war eingeebnet, wird wohl was neues gebaut werden - aber die Huetten und nen grossen Zeltteil gabs immer noch. Ich hatte keine Lust, nochmal meine eng gepresste Tasche zu oeffnen, also goennte ich mir ein Huettchen. Erstaunlich viele Moppeds standen schon da. Der Zufall wollte es, dass hier ein tschechisch-deutsch-oesterreichisches Guzzitreffen stattfindet, und ich haeng mich da rein. Einige Teilnehmer waren schon eingetroffen, die anderem werden wohl morgen folgen. Bild Viel los war an diesem Abend noch nicht, jeder verkruemelte sich an irgendeinen anderen Ort. Da meine Huette auch recht weit weg von unserer Bierkuehltoilette lag ging ich auch nochmal los, um in der Stadt ein Frischgezapftes zu erwerben. Ein nettes kleines Strassencafe, natuerlich mit Zapfhahn, wurde fuer die naechsten Minuten mein Domizil. Hier konnte man das Leben und treiben ganz gut verfolgen. Im Gegensatz zu anderen Staedte, wo die Gehwege bei Einbruch der Dunkelheit hochgeklappt werden war hier noch richtig was los. Besonders der hohe Anteil an huebschen Maedels fiel mir auf, die hier zu zweit oder zu dritt durch die Strassen zogen. Da es noch schoen warm war und die Girls ihre Winterklamotten noch verpackt gelassen hatten war das nicht zu uebersehen. Oder lags auch mit daran, dass ich schon eine Woche Solo durch die Welt zog und sich so die Relationen etwas verschieben ??? Gegen 23 Uhr machte ich mich auf den Heimweg, der naechste Tag sollte mich ca. 700 km ueber die Autobahn fuehren. Viel zu berichten ueber diesen Mammutritt gibts nicht, es wurden einfach nur Kilometer geschrubbt. 8 Uhr los, gegen 17.30 in Neuruppin, puenktlich zum cluboffenen Abend am Zapfhahn. Dazwischen 2 mal McDonalds und 4 mal getankt - ansonsten nix aufregendes. Es war wieder ne coole Woche, nicht ganz unanstrengend manchmal, aber klasse. Die Gegend, die Leute, mit denen ich zusammenkam - stark. Naechstes Jahr ist mein Ziel und das der Preussenbiker-Wochentour sicher klar - Slowakei, Slovenski Raj.






Slovensky Raj
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