Preussenbiker-Wochentour 2003
vom 24.Mai bis 4. Juni nach Ungarn
Samstag bis Dienstag
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1. Samstag:
Die letzten Tage der Woche schlichen wieder mal dahin - wie immer so kurz vorm Urlaub.
Samstag ab 15 Uhr sollte es losgehen, vorher war noch Arbeitstag angesagt. Mit Klausi
hatte ich mich in Berlin verabredet, er war am Tag vorher aus Bremen bei Schulle eingetroffen.
Schulle selbst konnte diesmal die Tour nicht mitfahren, 3 Tage vorher war Max, sein Sohn,
zur Welt gekommen, und da gibts es natuerlich schon Wichtigeres zu tun als Motorrad zu fahren.
Immerhin will er uns dann auf der Rueckfahrt in Litomerice abholen, so dass dann wenigstens
noch 2 Tage gemeinsames Touren drin sind.
Dafuer hatte Markus sich wieder gemeldet, er war ja im letzten Jahr auch schon dabei.
Ein ziemlich schlimmer Motorradunfall hatte ihn einige Zeit ausser Gefecht gesetzt, jetzt war
er aber wieder soweit auf dem Damm, dass er wenigstens das erste Wochenende in Litomerice
zusammen mit der Schwedentruppe und uns verbringen wollte. Am Lausitzring hatten wir unseren
Treffpunkt verabredet.
Klausi und Ilona waren puenktlich um 15 Uhr in Berlin am Treff, Schulle hatte sie durch die
Stadt begleitet und dafuer gesorgt, dass sie im Grosstadtdschungel nicht verloren gegangen
waren. Die Sonne hatte schon die ganze Woche auf die Haeuser gebrannt und die Steine zum Gluehen
gebracht, es war eine Hitze zum Zerfliessen. Am Samstag nachmittag durch Neukoelln zu fahren
um
die Stadtgrenze zu erreichen ist schon immer ein Abenteuer gewesen, offensichtlich gibts hier
nur heissgelaufene Autos, troedelnde Fussgaenger und rote Ampeln. An diesem heissen Tage war
es eine Tortur. Obwohl alle Verschluesse der Lederklamotten aufgerissen waren - das Wasser
floss nur so in Stroemen ueber den Koerper. Fast eine geschlagene Stunde dauerte es, bis die
Autobahn gen Sueden erreicht war und wir ein etwas flotteres Tempo einschlagen konnten.
Ueber eine Autobahnfahrt gibts nicht so viel zu berichten, ausser, als wir diesen bunten
Joghurtbecher ueberholten. Sicher, war wohl nur ne kleine 125er, sah aber teuflisch schnell aus.
Der Fahrer lag fast auf der Kutsche und versuchte, das letzte Stundenkilometerchen
herauszukitzeln. Es muss fuer einen Aussenstehenden schon bissl komisch ausgesehen haben,
als 2 bis unters Dach vollgepackte Chopper in entspannter aufrechter Sitzposition an diesem
bunten Maschinchen vorbeidonnerten, als waers nix. Ich konnte mir jedenfalls diesen Gedanken
und ein breites Grinsen nicht verkneifen - naja, ein bisschen Abwechslung auf der Autobahn
eben ....
In Klettwitz am Lausitzring hatten wir uns dann mit Markus verabredet, also runter vom Highway
und an die Tanke. 5 Minuten spaeter kam er auch schon, hinten drauf seine Freundin. Sie hatte
einen Riesenrucksack aufgeschnallt, tja, nicht allzuviel Platz fuer 2 Personen mit Gepaeck auf
soner CB 600. Schnell wurden der Fluessigkeitsverlust von Menschen und Maschinen ausgeglichen,
sodass der naechste Ritt bis nach Tschechien gehen konnte. Meine Sorge, dass Dresden eine
zweite Tortour werden koennte, erwies sich als unbegruendet, wir kamen recht schnell durch.
Allerdings zog sich die weitere Fahrt in Richtung Zinnwald doch etwas hin, viele Baustellen
verhinderten ein schnelles Vorwaertskommen. Die Spuren der Hochwasserflut waren noch deutlich
zu sehen, das Bett des neben der Strasse verlaufenden Baches war voellig ausgewaschen und die
Strasse war zum Teil noch unterspuelt. Auch die Eisenbahnstrecke braucht noch einige Zeit bis
zu ihrer Wiederherstellung. Diese Flut hatte auch unsere Grenzpassage in Schmilka verhindert,
der Grenzuebergang war wegen der anhaltenden Bauarbeiten immer noch gesperrt.
Die letzten paar Kilometer vom Kamm des Erzgebirges bis ins Camp nach Litomerice waren schnell
abgerissen, und irgendwann gegen 18.30 Uhr fuhren wir auf dem Platz auf. Er war wie jedes Jahr
um diese Zeit schon gut gefuellt, wie immer waren auch dieses Jahr wieder alte Bekannte da, die
groessten Kontingente stellten wieder die Schweden und die Freiberger.
Davon, dass die Elbe praktisch den ganzen Platz hinweggespuelt hatte war nichts mehr zu sehen.
Das Gaststaettengebaeude war neu erstanden und 12 neue Huetten standen schon wieder zur
Verfuegung. Auch viele Teilnehmer des Elbetreffens haben durch ihre Spenden zu dieser grossen
Leistung etwas beigetragen, an alle Spender, in welcher Form auch immer, hier noch einmal ein
herzliches Dankeschoen.
"Wer von Euch issn Frank?" war die Frage, die uns direkt nach der ersten Bierbestellung
entgegenschallte. Sven aus Berlin hatte die Frage gestellt, nachdem er uns als Preussenbiker
erkannt hatte. Wir hatten vorher mal kurz Mailkontakt gehabt und eine lose Verabredung
getroffen, und er war auch mit Freundin hier eingetrudelt. Eigentlich waren auch bei ihm die
Raindays der Road-Eagles geplant gewesen, aber die waren ja ne Woche vorverlegt worden.
Es wurde ein langer und gemuetlicher Abend, zwar diesmal nicht mit Spanferkel und Liveband,
die Kosten waren in den letzten Jahren nicht wieder eingespielt worden, aber wie immer mit
Essen vom Grill, Armdruecken und natuerlich ner Menge Bier. Nur als die Freiberger wie im
letzten Jahr wieder ihre Motoren knallen lassen und ein Bauchtaenzchen auffuehren wollten kam
dieses Jahr das Veto von Josef - der Nachbarn
wegen.
2. Sonntag
Am Sonntagmorgen ging es entgegen der sonstigen Gepflogenheit nicht wieder auf die Strecke,
wir wollten noch einen Tag laenger bleiben.
Trotzdem war natuerlich eine kleine Tour in die
Umgebung geplant, das Wetter war auch heute wieder herrlich. In noerdlicher Richtung verliessen
wir Litomerice. Ich hatte von einer Bikerherberge in der Naehe gelesen, Bikerhouse Wallhalla.
Auf kurvigen und huegligen Nebenstrassen fuhren wir dem Ziel entgegen. Hinter mancher
Huegelkuppe konnte man den weiteren Strassenverlauf nicht mehr erkennen, sodass einige Vorsicht
angesagt war. Allerdings hatten wir es auch nicht unbedingt eilig, sodass sich die
Geschwindigkeit in Grenzen hielt. Markus musste zwar ab und zu mal vorbeibrausen, aber das ist
bei so einem Mopped nun mal so.
Das Bikerhouse ist eine ziemlich grosse Villa, fast ein kleines Schloss. Die beiden Besitzer
bauen es so nach und nach, je nachdem wie es der Geldbeutel gestattet, zu einer Bikerherberge
aus. Die knallgelbe Fassade ist jedenfalls kaum zu uebersehen, und auch die eine oder andere
Restaurationsarbeit ist schon ausgefuehrt. Wir waren die einzigen Gaeste, die hier im Moment
untergekommenen Runzelrocker hatten schon eine kleine Ausfahrt begonnen. Eine kleine
Besichtigung des Hauses und des dazugehoerigen Grundstuecks zeigte, dass noch viel Arbeit zu
tun, dass aber auch viel Platz auch fuer groessere Gruppen vorhanden ist. Die Unterkunft ist
als Matratzenlager rustikal eingerichtet, dafuer und fuer tschechische Verhaeltnisse schien mir
der Preis ein wenig hoch - ist aber wohl Ansichtssache. Allerdings lassen sich in der reizvollen
Landschaft sicher schoene Touren fahren. Wir verabschiedeten uns von der Besitzerin und setzten
die Tour in Richtung Decin fort.
Immer an der Elbe entlang ging es in leichtem Bogen wieder in Richtung Litomerice. Auch hier war
die Strecke immer wieder von zum Teil abenteuerlichen Umleitungen unterbrochen, eine Folge des
Hochwassers.
Am Nachmittag auf dem Campingplatz zurueckgekehrt sahen wir schon einige Bierleichen an den
Tischen sitzen. Vielleicht haetten sie heute auch eine Tour unternehmen sollen? Aber sicher
liess das ihr Restalkohol nicht zu, also gabs wohl nur die eine Alternative. Es herrschte noch
Mittagspause, trotzdem bekamen wir ausnahmsweise auch etwas zu trinken .....
Eigentlich wollte Markus bereits am Abend wieder nach Hause fahren, seine Freundin musst am
Montag wieder arbeiten. Beide fassten dann aber doch den Entschluss, erst am Montag frueh
loszufahren, in 2 bis 3 Stunden ist man ja zurueck. So wurde es noch mal ein gemuetlicher Abend,
der natuerlich etwas kuerzer war als der vorherige.
3. Montag:
Am Montag morgen war die Nacht bereits gegen 7 zu Ende, Markus trieb es wieder nordwaerts und
auch wir wollten unsere Fahrt in den Sueden heute fortsetzen. Nach einem wie immer ausgiebigen Fruehstueck
bei Josef wurden die Roesser gesattelt und es ging los. Da wir heute anstaendig Kilometer
machen wollten lag es nahe, wieder die Autobahn zu nutzen. Ob wir bis nach Ungarn kommen oder
vorher nochmal Zwischenstation machen wuerden wollten wir erst unterwegs entscheiden - je
nachdem, wie unsere hinteren Menschenpartien das staendige Sitzen vertragen wuerden.
Das Wetter
war auch heute wieder klasse, wir legten also der Kuehlung wegen einen Zahn zu. Bis Prag ging
es flott voran, und natuerlich blieben wir in Prag wieder, wie immer an den gleichen Kreuzungen,
im Stau haengen. Voll bepackt kann man sich auch nur schlecht zwischen den Autokolonnen
durchquetschen. Ob es wohl irgendwann mal eine Autobahnumgehung von Prag geben wird? Sicher. Irgendwann.
Alle 80 Kilometer eine kleine Pause, alle 160 Kilometer ein Tankstop, so ging es vorwaerts.
Unterwegs beschlossen wir dann doch, nicht direkt durchzufahren sondern noch einmal einen
Zwischenstop kurz vor der slowakischen Grenze in Breclav einzulegen. Nicht weil unsere
menschliche Zerbrechlichkeit das forderte, sondern weil wir das letzte Stueck bis Ungarn
ueber Landstrassen fahren wollten.
In Breclav hatten wir vor 2 Jahren schon einmal einen Etappenstop eingelegt, der Platz liegt
mitten in der Stadt und es bestand eigentlich nicht die Gefahr, dass er uebervoelkert waere.
Als wir allerdings in die Zufahrtsstrasse einbogen schlichen sich schon Zweifel bei mir ein -
hat hier ueberhaupt noch was offen?
Es war aber auch KEIN EINZIGES Zelt oder Wohnwagen zu sehen.
Trotzdem, die paar Meter bis zur Rezeption fahren wir nun auch noch. Zwar war die Buerodame
genauso ueberrascht und erschrocken wie vor 2 Jahren, aber ja, der Platz war geoeffnet und wir
konnten zu den gleichen wirklich extrem niedrigen Preisen (es waren wohl so um die 2 Euro p.P.)
uebernachten. Sollte vielleicht sogar wieder ein Klavier ....? Nee. diesmal lag kein Klavier
zum Verfeuern am Lagerfeuerplatz, aber wir hatten schon einen schoenen grossen Haufen Holz
entdeckt. Die Huetten waren gut besetzt, einige Schulklassen hatten hier offensichtlich fuer
ein paar Projekttage festgemacht. Auch ein neues Bistro hatte eroeffnet, mit ueberdachtem
Biergarten - erstaunlich, bei so geringer Auslastung. Naja, jetzt waren wir ja da....
Erstmal wurden aber die Zelte an der alten Stelle wieder aufgebaut, unterhalb des Klohaeuschens,
des fliessenden Wasser wegen, fuer die Bierkuehlung ... Dann musste natuerlich noch das Bier
zum Kuehlen besorgt werden, der Supermarkt lag aber gleich nebenan. Klausi und ich knatterten
also rueber, um die Verpflegung klarzumachen. Das erste mal in diesem Urlaub, dass wir uns
selbst verpflegen mussten. Also ... mussten wir natuerlich nicht, da war ja noch das Bistro,
aber irgendwann muss man ja auch mal auf eigenen Beinen stehen. Ein kleiner Spaziergang schloss
sich an das ueppige Mahl an, und nach 30 Minuten sassen wir dann doch im Bistro, einen Kaffee
trinken. Es gab die Wahl zwischen tuerkisch und instant - na gut.
Der Himmel hatte sich inzwischen auch meklich verfinstert, und noch waehrend wir den ersten
Schluck nahmen brach es dann ueber uns herein - Regen und Hagel - wie aus Eimern. Die
Hagelkoerner waren Monsterhagler, Riesendinger. Na, wird Zeit, dass Tschechien in die EU
aufgenommen wird, dann gibts hier auch nur noch Hagelkoerner nach EU-Norm, wesentlich kleiner
als das hier. Ich denke da nur an die EU-Banane ....
Natuerlich konten wir nicht die ganze Zeit an einem Kaffee vertroedeln, fuer 2 Kaffee schmeckten sie
nicht gut genug, was blieb uns also als Alternative? Ich muss es wohl nicht erwaehnen ....
In kurzer Zeit bildeten sich jedenfalls Riesenpfuetzen auf dem Platz, jetzt machte es sich
auch wieder bezahlt, dass wir auf diesem Steindrainageplatz aufgebaut hatten, zwar gingen die
Erdnaegel nur schwer in den Boden, aber das Wasser floss doch recht schnell wieder ab.
Nach kurzer Zeit war der Spuk vorbei und wir konnten den Lagerfeuerplan wieder ins Auge fassen.
Inzwischen war auch ein Auto mit Wohnwagen eingetroffen, ein Chemnitzer Rentner auf dem Weg
nach Hause.
Er versuchte uns zu erklaeren, dass Wasser nicht brennt und ein Lagerfeuer heute
wohl ein Ding der Unmoeglichkeit sein wuerde. Eine Kiste mit alten Zeitungen (mit heissen
Bildern) und der riesige Haufen Holzaeste liessen uns unser Vorhaben aber trotzden angehen.
Die V2-Traktoren waren schnell gestartet, und wir konnten anstaendig Feuerholz heranzerren -
quer ueber den Platz, wie immer bei dieser Aktion recht spaktakulaer anzusehen. Von der
Zeitungskiste war nur die obere Schicht durchweicht, der Rest war noch trocken. Die ersten
Aeste konnten mit Hilfe dieser Zeitungen und dem bis dahin arbeitslosen Gaskocher entflammt
werden, der Rest brannte dann von allein. Wasser brennt also doch !
4. Dienstag
Klausi wollt ja eigentlich Broetchen holen gehen, aber wir setzten uns dann doch lieber zum
Kaffee ins Bistro, wie jeden Morgen zu dieser Tour mit Ruehrei. Der Himmel hatte sich
aufgehellt, die Sonne schien auch heute wieder hell und freundlich. Frisch gestaerkt gings
auf die wirklich letzte Etappe nach Ungarn. Vor 2 Jahren hatten wir von hier aus einen
Kurztrip nach Ungarn unternommen, eine schoene Strecke ueber Berge und durch Waelder,
die wollten wir auch heute wieder fahren. Das erste Hindernis lauerte aber noch innerhalb
der Stadt. Eine Bahnunterfuehrung war durch den gestrigen Regen vollgelaufen. Eine kurze
Beobachtung der Autos bei der Durchfahrt liess uns den Schritt wagen, die Moppeds versanken
zwar bis zur Radnabe im Wasser, aber die Passage gelang. Nur 5 km hinter Breclav existierte
ein kleiner Grenzuebergang in die Slovakei - damals. Der war jetzt aber zu, was wir allerdings
erst kurz vorher an der gesperrten Strasse erkanten. Also zurueck - ach ja, die
Bahnunterfuehrung. Also nochmal durch, auch diesmal wieder ohne Komplikationen, nur die Moppeds
sahen von diesem Moment an ziemlich schei ... aehh, na nicht mehr so glaenzend aus.
Notgedrungen mussten wir also wieder auf die Autobahn und hier in die Slovakei uebersetzen,
an der ersten Abfahrt gings dann aber gleich wieder runter. Ein Stueckchen noch parallel zur
Autobahn, dann gings in die Berge. Ein nettes kleines Gebirge mit schoenen Serpentinen - das
machte Spass. Ein Stueckchen suedoestlich von Bratislava stiessen wir dann auf die Donau und
folgten ihrem Lauf , bis wir die ungarische Grenze oberhalb von Gyoer passierten.
Der Geldwechsel machte ein paar Probleme, eine Wechselstube war nicht so richtig zu finden,
nur im Zollgebaeude konnte man tauschen. Der Hunger plagte uns, in der Slovakei hatten wir
kein Geld getauscht, und wir goennten uns direkt hinter der Grenze einen kleinen Imbiss. Die
fetten Knacker schmeckten trotz des Hungers ... schlecht, und so teuer, ueberteuert, wie an
diesem Imbiss haben wir in Ungarn nie wieder gegessen. Naja, wenigstens die Cola war kalt.
Ueber Gyoer ging es dann immer in Richtung Osten an der Donau entlang nach Komarom. Die Stadt
zog sich wirklich lang hin, gleich am Ortseingang ist eine ziemlich grosse Befestigungsanlage
zu besichtigen. Dann wurde es Zeit, sich nach einem geeigneten Campingplatz als Basislager
umzuschauen. Nach 20 km wurden wir fuendig, gleich beim ersten Hinweisschild in Almasneszmely
bogen wir in Richtung Donau von der Hauptstrasse ab.
Eine kleine Wiese, eine kleine Kneipe mit einer kleinen Gartenlaube - gemuetlich, das war der
erste Eindruck. Camper waren nicht da, nur in der kleinen Kneipe sassen ein paar Gaeste. Auf
der Campingwiese mauerte ein Handwerker an einer Feuerstelle fuer Kesselgulasch. Also abgesessen
und ran an die Buletten. Wie immer im Ausland brachte ich unser Anliegen per Zeichensprache
vor, um nicht gleich mit der deutschen Sprache und der Tuer ins Haus zu fallen. Wenn deutsch
verstanden wird, dann bekommt man das dann schon mit.
"Hier koannts ruhig deutsch rede, does is scho recht" Peter und Jan, die beiden Platzbesitzer,
ein bayrischer Deutscher und ein Hollaender, nahmen uns in Empfang. Sie leben schon seit 8 und
10 Jahren in Ungarn und sind hier sesshaft geworden. Juuut, dann trinken wir doch erstmal
einen. Das war den beiden natuerlich recht, und wir kamen schnell ins Geschaeft. Ein Geschaeft
wars ja eigentlich nicht, Preise wurden nicht verhandelt, wir waren uns schon gegenseitig recht
sympathisch. Es war ein angenehmer Ort ( "hier regnets nie !" ), und wir sollten im Verlaufe
der kommenden Woche wirklich gut miteinander auskommen. Jetzt wurden aber erstmal die Zelte
aufgebaut und ausgepackt.
Dann kam die Frage nach dem Abendessen auf, denn ausser dem Fruehstueck und der ekelhaften
Knacker hatten wir an diesem Tag noch nichts weiter gegessen. Warme Kueche gab es auf dem
Platz nicht - bis dahin.
Es wurde uns eine gute Kneipe empfohlen - ober auf dem Berge, bis zur roten Telefonzelle,
dann 2 mal rechts und 3 mal links. Wir zogen los, fanden die rote Telefonzelle unter Bueschen
und auch die Kneipe - die hatte zu.
Wir waren zu Fuss losgezogen, ein Fehler, wie sich jetzt herausstellte.
Also wieder runter vom Berg, die Laeden hatten auch schon zu, nur ein Zeitungs- und
Tabakladen hatte noch geoeffnet. Hier konnten wir noch eine Packung Dauertoastbrot erstehen,
in Verbindung mit der aus Tschechien mitgebrachten Salami immerhin noch ein halbwegs
saettigendes Abendbrot.
Unser Elend tat den Platzbesitzern fast koerperlich weh, das schlechte Gewissen wegen dem
Fehltip kam dann wohl noch dazu. "Morgen machen wir Kesselgulasch" war die Ankuendigung fuer
unser morgiges Abendbrot, gleichzeitig auch eine wohl unloesbare Aufgabenstellung fuer
den Maurer.
Der Abend wurde noch lang, Jan, ein ehemaliger hollaendischer Seeman, hatte einige Episoden
auf Lager, er war fuer das Entertainment hier verantwortlich. Seine ungarische Frau und deren
Tochter fuehrten die Kneipe, Jan und Peter sind die Manager. An diesem Abend lernten wir auch
erste Stammgaeste kennen, den Maurer, den Traktoristen, den Bierkutscher, aber auch einen
deutschen Erfinder, wie die meisten Erfinder unverstanden von der Welt, von der Industrie
geschnitten , aber mit grossen Ideen .....
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