Preussenbiker-Wochentour 2003
Teil 3 - Sonntag bis Mittwoch
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Seite 3 - Sonntag bis Mittwoch
9. Sonntag:
Der letzte Tag hier, erstaunlich, wie schnell die Zeit vorueberrennt. Sachen zusammensuchen,
schon etwas packen - heute war keine Tour mehr geplant. Ausser natuerlich das Seefischessen.
Gegen 11 kam Toni, der Bayernrentner, auf einen Wein vorbeigeschlendert. "Hi Toni, wann gehts
denn los?" Eine harmlose Frage, die doch Verwunderung ausloeste: "Woas dann ???" Hm, wollten
wir nicht Fische essen gehen, und sie wollten uns den Weg zeigen??? Toni hatte das total
vergessen - klar, man wird ja nicht juenger, und 76 Jahre sind ein schoenes Alter. Jedenfalls mobilisierte er die Familie, Peter
kam diesmal auch mit, und los gings - in den Wald.
2 Autos, 2 Motorraeder, 20 km Fahrt durch Taeler und Waelder. Im tiefsten Wald dann eine
Lichtung, ein Teich, ein Spielplatz, eine Fischbude. Hier gabs gebackene Seefische. Offensichtlich ein
Geheimtip, denn es waren an diesem ausnahmsweise etwas diesigen Tag doch eine Menge Leute, viele Familien mit Kindern,
hierhergefahren, um Fisch zu essen.
Klausi dachte dann auch laut ueber seine Situation nach : Da faehrt man als Mann von der
Nordseekueste, dem die Fische fast ins Fenster fliegen nach Ungarn, einem Binnenland ohne
jegliche Meereskueste, kein Salzwasser weit und breit, dort in den tiefsten Wald an einen
Teich, nicht um einheimische Karpfen, sondern gebackene Seefische zu essen - verrueckt.
10. Montag:
Zeit umzukehren. Heute soll die Rueckreise nach Litomerice steigen, dort wollen wir uns noch
fuer 3 Tage mit Schulle treffen, der es sich nicht nehmen lassen wollte, wenigstens fuer 3
Tage dabeigewesen zu sein. Die Rueckfahrt ist knallhart kalkuliert - Autobahn feste durch.
Nach den allmorgendlichen Ruehreiern gehts noch ans Bezahlen, die Rechnung ist Tag fuer Tag
aufgesplittet und wirklich guenstig. Fuer den Aufwand, der wegen uns getrieben wurde, die fast
familiaere Aufnahme, ein Klacks. Am Vorabend hatte ich noch 2 Vignetten fuer die Autobahn
besorgt - die waren allerdings kein Klacks, keine Unterschiede zwischen Auto und Mopped. Na gut,
was zahlt man nicht sonst alles im Leben, um vorwaerts zu kommen.
Nach einer herzlichen Verabschiedung und dem Versprechen, im naechsten Jahr wenigstens mal
vorbeizuschauen, gings dann los. Bei Tata auf den Highway, bei Bratislava ueber die Grenze
und dann immer nordwaerts. Keinerlei Probleme uebrigens jemals an den Grenzen, ritsch-ratsch,
und wir waren durch. Keine Tanke allerdings auch meilenweit in der Slovakei an der Autobahn.
Mein rotes Alarmlaempchen leuchtete schon ein ganzes Weilchen, die Geschwindigkeit hatte ich
auch schon auf 110 gedrosselt, Ilona hatte schon technische Probleme vermutet, dann endlich
kurz vor der tschechischen Grenze das ersehnte Brennfluessigkeitsreservoir. Puuuhh, Glueck
gehabt, aber irgendwie sind auf Landstrassen die Tankstellen dichter gesaet.
Meine Versuche, mit Schulle eine Nachricht auszutauschen, scheiterten irgendwie - keine Antwort.
Er war halt unterwegs, daher auch keine Koordination der Ankunft in Litomerice moeglich. Die
Fahrt ging bis Prag jedenfallss flott voran, hier wieder der alltaegliche Stau, wieder mal bei
bruetender Hitze. Beim Anfahren an einer Kreuzung machten sich bei Klausis Trude Probleme an
der hydraulischen Kupplung bemerkbar, sie trennte nicht richtig, und man bekam keinen Gang rein
oder raus. Mit ein wenig schubsen und schieben gings dann aber, nach einigen Kilometern auf der
Autobahn war beim naechsten Tankstop dann wieder alles im gruenen Bereich.
Beim Einrollen auf den Campingplatz hatten wir eigentlich vermutet, dass Schulle schon dasitzt
und eine erste Verkostung vornimmt. Aber nix, wir mussten unser erstes Bier selbst bestellen,
was sich erfahrungsgemaess als nicht sehr schwer erwies. Die Hitze des Tages und der Fahrtwind
auf der Autobahn hatten uns schoen ausgedoerrt, sodass dringend Fluessigkeitsnachschub
erforderlich war.
Drei viertel des Glases, waren noch nicht leer, da hoerten wir auch schon ein
Mopped ueber die Elbbruecke knattern, und 3 Minuten spaeter war Schulle auch schon da. Ein
Timing vom Feinsten, 10 Minuten Abstand, ohne jede Absprache, nicht uebel.
Schulle war auch
schon den ganzen Tag unterwegs, noch ein wenig durchs Erzgebirge getourt, auch er hatte die
Zerstoerungen den Flut bemerkt. Er war natuerlich auch ausgedoerrt - aber das ist er ja immer.
Die Freude auf allen Seiten war gross, und wir feierten das Wiedersehen an diesem Abend noch
entsprechend. Und man sollte es nicht glauben, auch die Wohnmobile vom letzten Jahr, die mit
dem Henkel-Hund (ein Insider-Joke) fanden sich noch ein.
11. Dienstag:
Einen Tag wenigstens wollten wir noch gemeinsam fahren, bevor das endgueltige Ende nahte -
dieser Tour natuerlich. Das erste Wochenende fuehrte uns nach Norden, heute sollte es in den
Sueden von Litomerice gehen. Die Tour zog sich bis Kladno runter, nur wenige Kilometer von
Prag entfernt. In einem grossen westlichen Bogen ging es dann wie immer ueber moeglichst
kurvige Nebenstrassen wieder in Richtung Litomerice. Auch heute machte Klausis Kupplung ab
und zu Probleme, unsere Nachfrage beim oertlichen Motorradhaendler brachte aber keine
befriedigenden Ergebnisse, wir sollten nach Usti zum Suzuki-Haendler fahren. Da die Probleme
nicht sooo gravierend erschienen, ein heisser Tag war und die Tour morgen sowieso zu Ende
gehen wuerde entschieden wir uns lieber fuer ein Eis auf dem historischen Marktplatz von Litomerice.
Am Abend nahm ich mir noch einmal eine Auszeit, um eine kleine Spritztour ueber Usti und Decin
zu unternehmen, mir war nach Bewegung. Ein Insektenbombardement mit den Aussmassen wie an
diesem Abend hatte ich allerdings bisher selten erlebt. Nach der Fahrt durch die abendlichen
Felder war ich von oben bis unten ein dichtbelegter Insektenfriedhof, und die Sprueche von den
Fliegen zwischen den Zaehnen sind da noch harmlos gewesen, die Viecher muss es direkt in und
unter die Haut implantiert haben .....
Klausi und Schulle hatten inzwischen von Josef noch eine spezielle persoenliche Spezialmahlzeit
erhalten und sahen sehr zufrieden aus. Als dann auch noch die Zigarre herausgeholt wurde,
hatte der Tag seinen kroenenden Abschluss gefunden.
12. Mittwoch:
Der Heimreisetag ist doch meist der eintoenigste. einfach auf die Strasse rauf und zu Hause
wieder runter, viel ist da nicht dazwischen. Diesmal nicht.
Nachdem wir uns von Josef bis zum naechsten Jahr verabschiedet hatten ging es in die Spur. Bis
hoch nach Zinnwald keine Probleme, wir fuhren ueber Usti, da ich dort mittem in der Stadt am Vorabend
einige herrliche 270-Grad-Serpentinenkurven entdeckt hatte, die wollten die anderen auch mal fahren.
Die Grenze war schnell passiert, obwohl die Grenzer diesmal ein wenig laenger in die Papiere
schauten - war ich schlecht rasiert ???.
In Altenberg, also nur 5 km innerhalb der EU-Grenzen, an einer Tankstelle passierte es dann:
Klausis Kupplung stieg wieder aus. Haetten wir nur noch die Autobahn vor uns gehabt waere das
sicher kein Problem gewesen, aber wir mussten erst mal dahin kommen, und es lag auch noch die
Stadtdurchfahrt von Dresden vor uns.
Da das Problem immer bei Hitze auftrat nahmen wir an,
dass es an zu alter Kupplungsfluessigkeit mit zu hohem Wasseranteil lag. Direkt gegenueber hatte ein Citroen-Haendler
seine Werkstatt, und er half uns schnell, die Fluessigkeit zu wechseln. Danach ging leider gar
nix mehr. Trotz aller Versuche ging kein Gang mehr rein oder raus. Es half nur noch, den ADAC
zu alarmieren, der auch innerhalb einer Stunde zu kommen versprach.
Inzwischen hatte sich auf der Tankstelle gegenueber eine ziemlich grosse Harley-Truppe aus
Schweden eingefunden. Auch sie hatten ein paar Probleme, einerseits einen platten Hinterreifen,
den sich einer auf den Ruecken schnallte und nach Dippoldiswalde zum reparieren brachte.
Andererseits einige verlorene Schrauben, die ersetzt werden mussten. Auch die Schweden hatten
die Hoffnung, dass der Citroen-Haendler ihnen helfen konnte, aber woher soll eine Werkstatt
fuer europaeische Autos Zollschrauben nehmen. Dabei hatten die Jungs noch einige Kilometer vor
sich, sie wollten zur Superrallye nach Budweis. Immer wieder kamen groessere oder kleiner
Gruppen von Harleyfahrern an uns vorbei, die alle das gleiche Ziel hatten.
Nach der versprochenen Stunde kam der ADAC-Abschlepper. Eine kurze Durchsicht und es wurde
festgestellt, dass hier nicht viel zu machen sei, er nahm Klausis Mopped Huckepack und es
sollte nach Dresden zur naechsten Suzi-Werkstatt gehen.
Die Zuckelei an den vielen Baustellen
vorbei war die gleiche wie auf der Hinfahrt, nur dass jetzt Schulle und ich auf jeweils 2
Raedern fuhren, waehrend Klaus und Ilona im Abschleppwagen komfortabel vierraedrig unterwegs
waren. Geschwitzt haben wir alle.
In Possendorf, kurz vor Dresden, bog der ADAC-Fahrer dann ploetzlich ab, es war ihm eine
kleine Motorradwerkstatt eingefallen, die hier alle Typen reparierte. Der Mechaniker hoerte
sich die die Fehlerbeschreibung an und war sich sicher, den Schaden beheben zu koennen.
Zur Not haetten wir ein benoetigtes Ersatzteil ja immer noch in Dresden besorgen koennen.
Also abgesessen und die Kutsche in die Werkstatt geschoben.
Waehrend das Motorrad untersucht wurde wollten wir etwas essen gehen. Die Gaststaette, die
das Flair eines FDGB-Ferienheimes ausstrahlte wollte zwar gerade schliessen, aber wir bekamen
doch noch etwas gegen unser Hungergefuehl.
Als wir wieder an der Werkstatt ankamen stand Klausis Motorrad schon auf dem Hof, repariert.
Es war wohl doch nur irgendeine Schraube oder ein Hebelchen, was nicht ganz richtig eingestellt
war. Na da hatten wir ja nochmal Glueck gehabt, eigentlich waren wir schon fast auf eine
zusaetzliche Uebernachtung eingerichtet gewesen.
Ein kleiner Stau noch auf der Autobahn, dann waren wir auch schon am Berliner Ring.
Verabschiedet hatten wir uns vorher beim letzten Tankstop schon, Klaus, Ilona und Schulle bogen ostwaerts, ich
westwaerts in Richtung Heimat ab. Gegen 18 Uhr war ich dann zu Hause und wieder einmal war
eine schoene Tour, diesmal ueber 12 Tage zu Ende.
Wieder haben wir nette Leute und schoene Landschaften kennengelernt, alte Freunde getroffen
und kraeftig gefeiert. Bis zur naechsten Tour muessen wir jetzt aber auch wieder ein Jahr
warten. Der ( voraussichtliche ) Termin steht schon wieder fest, das Elbetreffen findet vom 29.5.2004
bis 5.6.2004 statt, Start ist logischerweise dann am Samstag, den 29.Mai 2004.
Und es geht diesmal in die Slovakei. Im September werde ich eine kleine Erkundungstour in die
Gegend unternehmen, natuerlich gefolgt von einem Tourbericht.
Wie immer die Einladung an alle, sich in den Mailverteiler eintragen zu lassen, dann kommen
Neuigkeiten zur Tour frei Haus. Dass von mir keine Adressen verkauft werden ist wohl auch an
der Werbefreiheit dieser Seiten zu erkennen.
Vielleicht sehen wir uns im naechsten Jahr, wie immer mit einem ausgewogenen Verhaeltnis von
Motorradfahren und .... Rahmenprogramm.
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